Lexikon
Argumentationslexikon
Fehlschlüsse, unfaire Diskussionstechniken und was gute Argumentation ausmacht – 273 Begriffe, die Grundlage der KI-Prüfung auf politforum.net.
A
- Ablenkungsmanöver (Roter Hering)Ein anderes, oft emotional aufgeladenes Thema wird eingeführt, um von der eigentlichen Frage abzulenken, ohne diese zu beantworten.
- AkzentfehlschlussDurch veränderte Betonung, Hervorhebung oder Formatierung erhält eine Aussage eine Bedeutung, die ursprünglich nicht gemeint war.
- Am Thema vorbei (Ignoratio elenchi)Ein Argument begründet eine andere Schlussfolgerung als die strittige, wirkt aber so, als hätte es die eigentliche Frage beantwortet.
- AmphibolieEin Satz ist wegen seines Satzbaus mehrdeutig, und das Argument nutzt eine Lesart, die nicht gemeint oder nicht belegt ist.
- Anekdotischer BelegEine persönliche Geschichte oder Einzelerfahrung wird als Beweis gegen oder für eine Aussage verwendet, obwohl systematische Daten etwas anderes zeigen oder fehlen.
- Angemessene BehauptungenDie Stärke einer Aussage entspricht der Stärke der Belege: keine Pauschalurteile, keine Übertreibungen, sondern präzise Formulierungen.
- Angriff wegen des Geschlechts (Ad feminam)Eine Aussage wird unter Verweis auf das Geschlecht der sprechenden Person (oft einer Frau) oder auf Geschlechterklischees abgewertet, statt inhaltlich geprüft.
- Angstappell (Panikmache)Zustimmung wird erzeugt, indem übertriebene oder unbelegte Gefahren ausgemalt werden; die Angst ersetzt den Nachweis, dass die Gefahr real und wahrscheinlich ist.
- Annahmen offenlegenDie Voraussetzungen und Werte, auf denen eine Argumentation beruht, werden ausdrücklich genannt, statt stillschweigend vorausgesetzt.
- Anonyme AutoritätEine Behauptung wird mit ungenannten Autoritäten („Experten sagen“, „Studien belegen“, „Insider berichten“) begründet, die sich nicht überprüfen lassen.
- Appell an ArmutEine Aussage gilt als glaubwürdiger oder richtiger, weil sie von armen oder einfachen Leuten stammt, oder eine Sache als besser, weil sie bescheiden oder billig ist.
- Appell an das GesetzEtwas wird für moralisch richtig erklärt, weil es legal ist, oder für falsch, weil es verboten ist, obwohl Recht und Moral nicht deckungsgleich sind.
- Appell an den EigennutzEine Tatsachen- oder Gerechtigkeitsbehauptung soll gelten, weil sie dem Publikum persönlich nützt; eigene Interessen bei Entscheidungen zu bedenken ist dagegen legitim.
- Appell an den HausverstandEine strittige Behauptung wird als selbstverständlich oder als „Hausverstand“ ausgegeben, um sich die Begründung zu sparen und Widerspruch als unvernünftig darzustellen.
- Appell an die FolgenEine Tatsachenbehauptung wird für wahr oder falsch erklärt, weil ihre Folgen erwünscht oder unerwünscht wären; bei Entscheidungen über Maßnahmen sind Folgen dagegen legitim.
- Appell an einen SchlussstrichEine Erklärung oder Entscheidung soll akzeptiert werden, weil endlich Klarheit oder Ruhe herrschen müsse, nicht weil sie gut begründet ist.
- Appell an GefühleGefühle (Rührung, Empörung, Stolz, Schuld) werden geweckt, um eine Behauptung zu stützen, obwohl sie keinen Grund für deren Wahrheit liefern; Spezialformen haben eigene Einträge.
- Appell an LeistungenEine Aussage wird wegen der Erfolge des Sprechers akzeptiert oder wegen fehlender Erfolge des Kritikers abgelehnt, obwohl diese Leistungen zur Sachfrage nichts beitragen.
- Appell an ReichtumEine Aussage oder Sache gilt als richtig oder besser, weil sie von Reichen stammt oder viel Geld kostet, obwohl Reichtum oder Preis das nicht belegen.
- Appell an Wut und GehässigkeitGroll, Neid oder Empörung gegen eine Person oder Gruppe werden geschürt, damit eine Behauptung oder Maßnahme Zustimmung findet, die sachlich damit nicht begründet ist.
- ÄquivokationEin Wort wird innerhalb eines Arguments in zwei verschiedenen Bedeutungen verwendet, sodass der Schluss nur scheinbar gültig ist.
- Argument aus dem SchweigenAus dem Fehlen einer Äußerung, Erwähnung oder Reaktion wird ohne Weiteres geschlossen, dass jemand etwas nicht weiß, billigt oder dass etwas nicht geschehen ist.
- Argument aus UngläubigkeitEine Behauptung wird abgelehnt, weil man sie sich nicht vorstellen kann oder sie unglaublich erscheint, statt die vorhandenen Belege zu prüfen.
- Argument aus UnwissenheitEine Behauptung gilt als wahr, weil ihr Gegenteil nicht bewiesen wurde, oder als falsch, weil sie selbst noch nicht bewiesen wurde.
- Argument der goldenen MitteEin Mittelweg zwischen zwei Positionen wird allein deshalb für richtig gehalten, weil er in der Mitte liegt.
- Argument durch WiederholungEine Behauptung wird so oft wiederholt, bis sie vertraut und dadurch glaubwürdig wirkt oder das Gegenüber erschöpft aufgibt.
- Argumentum ad lapidemEine Behauptung wird als absurd, lächerlich oder indiskutabel abgetan, ohne zu begründen, warum sie falsch ist.
- AstroturfingOrganisierte, oft bezahlte Kampagnen täuschen spontane Bürgermeinung vor, etwa durch Bots, gekaufte Kommentare oder Tarnorganisationen.
- Auf Gegenargumente eingehenMan setzt sich aktiv mit dem gewichtigsten Einwand gegen die eigene Position auseinander, statt nur leicht widerlegbare Kritik zu behandeln.
- Aufgebauschter ExpertenstreitAus Meinungsverschiedenheiten unter Fachleuten über Details wird geschlossen, dass das ganze Fachgebiet nichts Gesichertes wisse oder alle Positionen gleich gut seien.
- Aufgeblähte MinderheitEinzelne abweichende Fachleute werden so stark hervorgehoben, dass der Eindruck entsteht, eine breit gestützte wissenschaftliche Erkenntnis sei ernsthaft umstritten.
- Aufwertung durch AssoziationEine Position oder Person wird aufgewertet, weil angesehene Personen, Gruppen oder Symbole mit ihr verbunden sind, ohne dass dies etwas über die Sache belegt.
- Ausgewählter ZeitraumStart- oder Endpunkt einer Zeitreihe wird so gewählt, dass ein gewünschter Trend entsteht oder verschwindet, obwohl ein anderer Zeitraum ein anderes Bild zeigt.
- AusweichenEine direkte Frage wird nicht beantwortet, sondern mit Allgemeinplätzen, Gegenfragen oder der Antwort auf eine andere Frage umschifft.
B
- BasiseffektEine hohe oder niedrige prozentuale Veränderung wird als bedeutsam gedeutet, obwohl sie vor allem auf eine ungewöhnlich niedrige oder hohe Ausgangsbasis zurückgeht.
- BasisratenfehlerDie allgemeine Häufigkeit eines Merkmals in der Gesamtbevölkerung wird ignoriert, sodass spezifische Informationen wie Testergebnisse oder Anteile falsch gedeutet werden.
- Begriffe klärenZentrale, mehrdeutige Begriffe werden erklärt oder gemeinsam geklärt, damit alle Beteiligten über dasselbe sprechen.
- Beide-Seiten-AusweichenKonkrete Kritik wird mit dem Hinweis abgewehrt, alle Seiten seien gleich schlimm, sodass der einzelne Fall nicht mehr bewertet werden muss.
- Beim Thema bleibenBeiträge beziehen sich auf die eigentliche Frage der Diskussion und vermeiden Abschweifungen auf andere Streitthemen.
- Bejahender Schluss aus verneinender PrämisseEin Syllogismus mit einer verneinenden Prämisse endet in einer bejahenden Schlussfolgerung, was logisch nicht möglich ist.
- Bejahung des KonsequensAus „Wenn A, dann B“ und „B ist der Fall“ wird unzulässig gefolgert, dass auch A der Fall sein muss.
- Bejahung eines DisjunktionsgliedsAus „A oder B“ und „A ist wahr“ wird gefolgert, dass B falsch sein muss, obwohl das „oder“ beides zulässt.
- Berechtigte Punkte anerkennenZutreffende Argumente der Gegenseite werden ausdrücklich anerkannt, auch wenn man insgesamt bei der eigenen Position bleibt.
- Berufung auf Gottes WillenEine Position oder Handlung wird damit gerechtfertigt, dass Gott, das Schicksal oder eine höhere Macht sie wolle, was sich nicht überprüfen lässt.
- Beschönigendes FramingWertende oder beschönigende Begriffe lenken die Wahrnehmung eines Sachverhalts in eine gewünschte Richtung, bevor überhaupt argumentiert wird.
- Besorgnis-TrollingMan gibt vor, ein Anliegen eigentlich zu teilen und nur besorgt zu sein, um es in Wahrheit zu schwächen oder Zweifel zu säen.
- Beweis durch BehauptungEine Aussage wird ohne Begründung als feststehende Tatsache hingestellt oder einfach so oft wiederholt, bis sie als bewiesen gelten soll.
- Beweis durch EinschüchterungEine Behauptung wird durch einschüchterndes Auftreten, Fachjargon oder die Unterstellung durchgesetzt, nur Dumme könnten widersprechen, statt durch nachvollziehbare Begründung.
- BeweislastumkehrWer eine Behauptung aufstellt, verlangt vom Gegenüber, sie zu widerlegen, statt selbst Belege für die eigene Behauptung zu liefern.
- Bloße Behauptung (Ipse dixit)Eine Behauptung soll allein deshalb gelten, weil der Sprecher (oder seine Bewegung, sein Vorbild) sie aufstellt, ohne jede weitere Begründung.
- BrunnenvergiftungJemand wird vorab, bevor er argumentiert, so abgewertet, dass alles, was er sagen wird, von vornherein als unglaubwürdig gilt.
- BulverismusOhne zu zeigen, dass eine Ansicht falsch ist, wird ihre Falschheit vorausgesetzt und nur erklärt, welche psychischen Gründe das Gegenüber zu diesem „Irrtum“ führen.
C
- Chewbacca-VerteidigungDurch absichtlich verwirrende, sinnlose oder zusammenhanglose Ausführungen wird das Publikum so durcheinandergebracht, dass es dem eigentlichen Argument nicht mehr folgt.
- Chronologischer HochmutEin Gedanke wird verworfen, weil er aus einer früheren, als überholt geltenden Zeit stammt, ohne dass gezeigt wird, dass er tatsächlich widerlegt wurde.
D
- DammbruchargumentEin erster Schritt wird abgelehnt, weil er angeblich zwangsläufig eine Kette immer schlimmerer Folgen auslöst, ohne diese Kette zu belegen.
- Danach, also deswegenWeil ein Ereignis zeitlich nach einem anderen eintrat, wird ohne weiteren Beleg angenommen, das frühere Ereignis habe das spätere verursacht.
- Dann geh doch! (Verräterischer Kritiker)Kritik an einer Gruppe, Organisation oder einem Land wird abgewehrt, indem dem Kritiker Illoyalität vorgeworfen oder nahegelegt wird, er solle doch gehen.
- Das machen doch alleEin Verhalten wird gerechtfertigt, weil es weit verbreitet oder üblich ist, obwohl Verbreitung nichts darüber aussagt, ob es richtig oder zulässig ist.
- DatenfischenAus vielen durchsuchten Variablen, Untergruppen oder Auswertungsvarianten wird nur der eine „signifikante“ Zusammenhang berichtet, der bei so vielen Versuchen zufällig erwartbar war.
- DefinitionsfehlschlussEin Begriff wird ohne Begründung mit einem anderen gleichgesetzt, um ihm dessen Bewertung zu übertragen oder eine Streitfrage per Definition zu entscheiden.
- Denkt doch an die Kinder!Eine Maßnahme soll gerechtfertigt sein, weil sie angeblich Kinder schützt, ohne Belege für die Wirkung und so, dass Kritik als Kinderfeindlichkeit erscheint.
- Distanzierungs-AnführungszeichenEin Begriff wird in spöttische Anführungszeichen oder ein abwertendes „sogenannt“ gesetzt, um ihn in Zweifel zu ziehen, ohne Gründe zu nennen.
- DivisionsfehlschlussWas für das Ganze oder eine Gruppe gilt, wird ohne Weiteres jedem einzelnen Teil oder Mitglied zugeschrieben.
- DoppelzählungDerselbe Betrag, Effekt oder Fall wird in einer Rechnung mehrfach gezählt, wodurch Kosten, Nutzen oder Fallzahlen künstlich aufgebläht werden.
- Drohung (Argumentum ad baculum)Zustimmung wird durch angedrohte Nachteile oder Gewalt seitens des Sprechers erzwungen statt durch Gründe für die Wahrheit oder Richtigkeit der Position.
- Du-auch-Argument (Tu quoque)Eine Kritik oder Forderung wird zurückgewiesen, weil die kritisierende Person sich selbst nicht daran hält; ihr Verhalten widerlegt die Aussage aber nicht.
E
- Eigene Interessen offenlegenMan macht transparent, wenn man von einem Thema persönlich, beruflich oder finanziell betroffen ist oder einer beteiligten Organisation nahesteht.
- Einwand des HöflingsKritik wird abgewiesen, weil der Kritiker die Fachliteratur oder Feinheiten einer Lehre nicht im Detail kenne, obwohl seine Kritik grundsätzliche Voraussetzungen betrifft.
- ErbsenzählereiEin nebensächlicher Fehler oder eine ungenaue Formulierung wird aufgegriffen, um das gesamte Argument abzuwerten, ohne auf dessen Kern einzugehen.
- Erdrückende AusnahmeEine Verallgemeinerung wird aufgestellt, aber mit so vielen Einschränkungen und Ausnahmen versehen, dass sie kaum noch etwas über die Gesamtheit aussagt.
- Es gibt Schlimmeres (Relative Benachteiligung)Ein Problem wird abgetan, weil es anderswo größere Probleme gebe, obwohl das nichts daran ändert, ob das genannte Problem besteht und gelöst werden sollte.
- Etymologischer FehlschlussDie heutige Bedeutung eines Wortes wird aus seiner Herkunft abgeleitet, als wäre die ursprüngliche Bedeutung die einzig richtige.
- EuphemismusEin beschönigender Ausdruck verschleiert, was tatsächlich gemeint ist, damit eine unangenehme Sache harmloser oder positiver erscheint.
- ExistenzfehlschlussAus reinen Allaussagen wird geschlossen, dass bestimmte Dinge tatsächlich existieren, obwohl die Prämissen das nicht behaupten.
F
- Fakt und Meinung trennenEs wird klar unterschieden, was eine überprüfbare Tatsache ist und was eine persönliche Bewertung, Vermutung oder Wertentscheidung.
- Falsche AnalogieAus der Ähnlichkeit zweier Dinge in einigen Punkten wird geschlossen, dass sie auch in einem weiteren, entscheidenden Punkt übereinstimmen, obwohl relevante Unterschiede bestehen.
- Falsche AusgewogenheitEine gut belegte Position und eine kaum gestützte Außenseitermeinung werden als gleichwertige Seiten einer offenen Debatte präsentiert.
- Falsche BescheidenheitMan stellt sich betont unwissend oder bescheiden dar, um anschließend eine starke Behauptung ohne Begründungspflicht unterzubringen oder Kritik zu entgehen.
- Falsche GleichsetzungZwei Dinge werden aufgrund einer oberflächlichen Gemeinsamkeit als gleichwertig behandelt, obwohl sie sich in wesentlichen Punkten unterscheiden.
- Falsche oder unbelegte PrämisseEin formal korrekter Schluss stützt sich auf eine Voraussetzung, die falsch, unbelegt oder stark umstritten ist und stillschweigend als gesichert gilt.
- Falsches DilemmaEs werden nur zwei (oder wenige) Optionen als einzig mögliche dargestellt, obwohl weitere Möglichkeiten bestehen.
- Fehlende BezugsgrößeAbsolute Zahlen werden verglichen, ohne sie auf eine passende Bezugsgröße wie Einwohnerzahl, Fahrleistung oder Gesamtmenge umzurechnen.
- Fehlschluss der fehlenden QualifikationEin Argument wird abgelehnt, weil dem Sprecher ein Titel, Abschluss oder Amt fehlt, obwohl seine Gründe auch ohne diese Qualifikation überprüfbar sind.
- Fehlschluss der guten AbsichtEine Behauptung oder Maßnahme wird für richtig erklärt, weil die Person dahinter gute Absichten oder einen guten Charakter hat, nicht weil sie belegt oder wirksam ist.
- Fehlschluss der versunkenen KostenAn einem Vorhaben wird festgehalten, weil schon viel Geld, Zeit oder Mühe investiert wurde, obwohl nur künftige Kosten und Nutzen für die Entscheidung zählen.
- Fehlschluss des AkzidensEine allgemeine Regel wird starr auf einen Sonderfall angewendet, für den sie offensichtlich nicht gedacht ist.
- Fehlschluss des AnklägersDie Wahrscheinlichkeit eines Befunds unter einer Annahme wird mit der Wahrscheinlichkeit der Annahme angesichts des Befunds verwechselt.
- Fehlschluss-FehlschlussWeil ein Argument für eine These fehlerhaft ist, wird die These selbst für falsch erklärt.
G
- Galilei-GambitEine Außenseiterposition soll richtig sein, weil sie wie einst Galilei von der Mehrheit oder den Fachleuten abgelehnt wird; Ablehnung ist aber kein Wahrheitsbeweis.
- GaslightingBelegbare Tatsachen oder eigene frühere Aussagen werden dreist geleugnet, damit das Gegenüber an seiner Wahrnehmung oder seinem Gedächtnis zweifelt.
- GedankenlesenMan behauptet zu wissen, was das Gegenüber „eigentlich“ denkt oder vorhat, und argumentiert gegen diese unterstellte statt gegen die geäußerte Meinung.
- Gefälschte BelegeErfundene Zitate, manipulierte Bilder, KI-generierte Videos oder echte Aufnahmen aus falschem Zusammenhang werden als Beweis für eine Behauptung präsentiert.
- GeldillusionGeldbeträge aus verschiedenen Jahren werden nominal verglichen, ohne Inflation oder Wirtschaftswachstum zu berücksichtigen, sodass Zuwächse oder Rekorde verzerrt erscheinen.
- Gemeinsamkeiten benennenMan sucht und benennt Ziele, Werte oder Fakten, auf die sich beide Seiten einigen können, um den eigentlichen Streitpunkt einzugrenzen.
- Genetischer FehlschlussEine Idee wird allein wegen ihres Ursprungs oder ihrer Entstehungsgeschichte (Quelle, Epoche, Erfinder) für falsch oder richtig erklärt, statt nach ihrer heutigen Begründung.
- Gesetz der kleinen ZahlenErgebnisse aus sehr kleinen Fallzahlen oder Gruppen werden für ebenso verlässlich gehalten wie aus großen, obwohl kleine Zahlen viel stärker zufällig schwanken.
- Gezielt gestreuter ZweifelDurch systematisches Betonen von Unsicherheiten soll der Eindruck entstehen, eine Frage sei ungeklärt, um Regulierung oder Handeln hinauszuzögern.
- Gish-GaloppEine Flut vieler, oft schwacher oder falscher Behauptungen in kurzer Zeit, sodass das Gegenüber unmöglich alle widerlegen kann.
- GlaubensappellStatt Gründe zu liefern, wird verlangt, eine Behauptung im Glauben anzunehmen; wer zweifelt, habe eben nicht genug Vertrauen.
- Glückssträhnen-FehlschlussAus einer zufälligen Serie von Erfolgen wird geschlossen, die Erfolgsserie werde sich wegen einer besonderen „Form“ oder Gesetzmäßigkeit fortsetzen.
- Gründe nennenEine Position wird nicht nur behauptet, sondern mit nachvollziehbaren Gründen gestützt, sodass andere die Argumentation prüfen können.
H
- HistorikerfehlschlussFrühere Entscheidungen werden so beurteilt, als hätten die Beteiligten damals schon gewusst, was man erst heute weiß.
- HundepfeifeCodewörter oder Anspielungen, die für die Allgemeinheit harmlos klingen, einer bestimmten Zielgruppe aber eine verdeckte, oft abwertende Botschaft senden.
I
- Ich frag ja nurEine Behauptung wird als scheinbar harmlose Frage verpackt, um sie zu verbreiten, ohne Verantwortung oder Beweislast für sie zu übernehmen.
- IdentitätsfehlschlussDie Gültigkeit eines Arguments wird an der Gruppenzugehörigkeit des Sprechers (Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Klasse) festgemacht statt an seinen Gründen.
- Immun gegen BelegeJeder Gegenbeweis wird als Teil der Täuschung umgedeutet, sodass die Überzeugung durch keinerlei Belege mehr erschüttert werden kann.
- Instrumentalisierte KränkungMan erklärt sich beleidigt oder verletzt, um Kritik abzuwehren und die Diskussion auf das eigene Gefühl statt auf die Sache zu lenken.
- Irgendwas stimmt da nichtSelbst wenn einzelne Verdachtsmomente widerlegt sind, bleibt die Überzeugung bestehen, dass grundsätzlich etwas faul sein muss, und neue Verdachtsgründe werden gesucht.
- Irreführende AnschaulichkeitEin besonders dramatisches, anschauliches oder medienpräsentes Ereignis wird als Maßstab für die Häufigkeit oder Gefährlichkeit eines Phänomens genommen.
- Irreführende GrafikEine Grafik verzerrt durch abgeschnittene oder ungleichmäßige Achsen, unpassende Flächen oder fehlende Beschriftung die Größe von Unterschieden oder Veränderungen.
- Irreführender DurchschnittEin Durchschnittswert wird so verwendet, dass er die typische Situation falsch wiedergibt, etwa das arithmetische Mittel bei stark ungleich verteilten Werten.
K
- Kafka-FalleJeder Widerspruch gegen einen Vorwurf wird selbst als Beweis für dessen Richtigkeit gewertet, sodass Entlastung unmöglich wird.
- Kein wahrer SchotteEin Gegenbeispiel zu einer Allaussage wird abgewehrt, indem man die Gruppe nachträglich so umdefiniert, dass das Gegenbeispiel nicht mehr dazugehört.
- KesselargumentFür dieselbe Position werden mehrere Begründungen angeführt, die einander widersprechen.
- KompositionsfehlschlussWas für die einzelnen Teile gilt, wird ohne Weiteres auch dem Ganzen zugeschrieben.
- KonjunktionsfehlschlussDas gemeinsame Eintreten zweier Ereignisse wird für wahrscheinlicher gehalten als das Eintreten eines der beiden allein.
- KontinuumsfehlschlussWeil sich keine exakte Grenze zwischen zwei Zuständen ziehen lässt, wird behauptet, es gebe gar keinen echten Unterschied zwischen ihnen.
- Kontrafaktische GewissheitEs wird mit Sicherheit behauptet, was geschehen wäre, wenn etwas in der Vergangenheit anders verlaufen wäre, ohne dass dies überprüfbar ist.
- Korrelation ist nicht KausalitätAus dem gemeinsamen Auftreten oder statistischen Zusammenhang zweier Größen wird ohne weitere Prüfung geschlossen, dass die eine die andere verursacht.
- Kunstgriff 10: Das Gegenteil erfragenWer merkt, dass das Gegenüber absichtlich verneint, fragt nach dem Gegenteil des Gewünschten, um so die gewünschte Antwort zu erhalten.
- Kunstgriff 11: Das Allgemeine als zugestanden einführenNach Zustimmung zu einzelnen Fällen wird die allgemeine Regel nicht erfragt, sondern einfach als bereits zugestanden behauptet.
- Kunstgriff 12: Das günstige Gleichnis wählenDurch gezielte Wortwahl wird die eigene Sicht schon im Begriff vorweggenommen, sodass die Bezeichnung selbst die Bewertung transportiert.
- Kunstgriff 13: Das grelle Gegenteil anbietenNeben die eigene These wird ein absurdes Gegenteil gestellt, sodass das Gegenüber zur eigenen Position greift, um nicht paradox zu wirken.
- Kunstgriff 14: Triumph ausrufenObwohl das Gegenüber nichts Entscheidendes zugestanden hat, wird der gewünschte Schluss als bewiesen verkündet und Triumph ausgerufen.
- Kunstgriff 15: Der verfängliche ScheinsatzMan legt einen plausiblen, aber nicht ganz zutreffenden Satz zur Annahme vor: Lehnt das Gegenüber ab, wird es lächerlich gemacht, stimmt es zu, gilt das als Erfolg.
- Kunstgriff 16: Argumenta ad hominem oder ex concessisStatt die These zu prüfen, wird nach Widersprüchen zu früheren Aussagen, zur Partei oder zum Verhalten des Gegenübers gesucht.
- Kunstgriff 17: Die feine UnterscheidungWer durch einen Gegenbeweis bedrängt wird, rettet sich mit einer spitzfindigen, vorher nicht gemachten Unterscheidung.
- Kunstgriff 18: Den Gang unterbrechenMerkt man, dass das Gegenüber auf ein überzeugendes Argument zusteuert, unterbricht oder lenkt man ab, bevor es zu Ende geführt wird.
- Kunstgriff 19: Ins Allgemeine ausweichenWird man zu einem konkreten Punkt um Gegenargumente gebeten und hat keine, weicht man ins Allgemeine aus und kritisiert dieses.
- Kunstgriff 1: Die ErweiterungDie Aussage des Gegenübers wird über ihre Grenzen hinaus verallgemeinert und zugespitzt, damit sie leichter widerlegt werden kann.
- Kunstgriff 20: Den Schluss selbst ziehenAus zugestandenen Voraussetzungen wird der gewünschte Schluss gezogen, ohne das Gegenüber zu fragen, und fehlende Prämissen werden stillschweigend ergänzt.
- Kunstgriff 21: Scheinargument mit Scheinargument beantwortenEin durchschautes Scheinargument wird nicht offengelegt, sondern mit einem ebenso unsachlichen Gegenargument erwidert.
- Kunstgriff 22: Zirkelschluss vorwerfenEin berechtigtes Zugeständnis wird verweigert, indem man es fälschlich als Zirkelschluss bezeichnet, weil sich daraus die Gegenthese ergäbe.
- Kunstgriff 23: Zur Übertreibung reizenDurch ständigen Widerspruch wird das Gegenüber gereizt, seine Aussage zu übertreiben, worauf man die Übertreibung widerlegt und so die ursprüngliche These erledigt.
- Kunstgriff 24: Die KonsequenzmachereiAus der Aussage des Gegenübers werden durch Verdrehung absurde oder gefährliche Folgerungen abgeleitet, die es nie gemeint hat.
- Kunstgriff 25: Die Instanz (das Gegenbeispiel)Ein einzelnes, oft zweifelhaftes Gegenbeispiel wird angeführt, um eine allgemeine Aussage für vollständig widerlegt zu erklären.
- Kunstgriff 26: Die Umkehrung des ArgumentsDas Argument des Gegenübers wird umgedreht und gegen es selbst gewendet, oft durch geschickte Umdeutung statt durch echte Prüfung.
- Kunstgriff 27: Auf dem wunden Punkt beharrenReagiert das Gegenüber bei einem Argument unerwartet gereizt, wird gerade dieses Argument immer weiter forciert, unabhängig von seinem Gehalt.
- Kunstgriff 28: Argumentum ad auditoresMan bringt einen ungültigen, aber für das Publikum einleuchtenden oder witzigen Einwand vor, dessen Fehler nur Fachkundige erkennen.
- Kunstgriff 29: Die DiversionWer merkt, dass er verliert, wechselt plötzlich zu einem anderen Thema und tut so, als gehöre es zur Sache.
- Kunstgriff 2: Die HomonymieEin Wort wird stillschweigend in einer anderen Bedeutung verwendet als vom Gegenüber gemeint, um dessen Aussage scheinbar zu widerlegen.
- Kunstgriff 30: Argumentum ad verecundiamStatt Gründe zu liefern, beruft man sich auf Autoritäten oder angebliche Mehrheitsmeinungen, oft verfälscht oder fachfremd.
- Kunstgriff 31: Ironische InkompetenzerklärungMan erklärt ironisch, das Argument des Gegenübers nicht zu verstehen, um es als unverständlich oder unsinnig hinzustellen.
- Kunstgriff 32: Unter eine verhasste Kategorie bringenDie Aussage des Gegenübers wird einer verhassten Kategorie oder Gruppe zugeordnet und dadurch abgewertet, ohne sie inhaltlich zu prüfen.
- Kunstgriff 33: In der Theorie richtig, in der Praxis falschMan räumt die Gründe pauschal ein, bestreitet aber ohne Begründung die praktische Anwendbarkeit der Schlussfolgerung.
- Kunstgriff 34: Beim Ausweichen nachsetzenWeicht das Gegenüber einer Frage aus, wird gerade diese Stelle unablässig bedrängt, weil man dort eine Schwäche vermutet.
- Kunstgriff 35: Auf den Willen statt auf den Verstand wirkenStatt mit Gründen zu überzeugen, zeigt man dem Gegenüber oder dem Publikum, dass dessen Interessen durch die gegnerische Ansicht leiden würden.
- Kunstgriff 36: Durch Wortschwall verblüffenDas Gegenüber wird mit sinnlosem, gelehrt klingendem Wortschwall verblüfft, damit es aus Scheu vor eigener Unwissenheit nicht widerspricht.
- Kunstgriff 37: Den schlechten Beweis widerlegenHat das Gegenüber eine richtige These schlecht begründet, wird der schwache Beweis widerlegt und dies als Widerlegung der These selbst ausgegeben.
- Kunstgriff 38: Persönlich werdenWer sachlich unterlegen ist, wird persönlich, beleidigend und grob und greift die Person statt ihrer Argumente an.
- Kunstgriff 3: Relatives absolut nehmenEine bedingt oder in bestimmter Hinsicht gemeinte Aussage wird so behandelt, als sei sie uneingeschränkt und allgemein gemeint.
- Kunstgriff 4: Die Prämissen verdeckt einholenMan lässt sich einzelne Voraussetzungen scheinbar beiläufig zugestehen, ohne das Ziel zu verraten, und präsentiert erst am Ende die gewünschte Schlussfolgerung.
- Kunstgriff 5: Beweis aus falschen VordersätzenMan stützt die eigene These bewusst auf Annahmen, die man selbst für falsch hält, die das Gegenüber aber akzeptiert.
- Kunstgriff 6: Die versteckte petitio principiiDas zu Beweisende wird in anderer Formulierung oder als Teil einer allgemeineren Aussage bereits als Voraussetzung eingeschmuggelt.
- Kunstgriff 7: Viel auf einmal fragenMan stellt viele Fragen auf einmal und weitläufig, damit das Gegenüber den Überblick verliert und Wesentliches unbemerkt zugesteht.
- Kunstgriff 8: Den Gegner zum Zorn reizenDas Gegenüber wird absichtlich provoziert und gereizt, damit es im Ärger unüberlegt argumentiert und Fehler macht.
- Kunstgriff 9: Fragen in veränderter OrdnungFragen werden in einer anderen Reihenfolge gestellt, als der Schluss sie erfordert, damit das Gegenüber das Ziel nicht erkennt.
L
- LächerlichmachenEine Position wird durch Spott, Ironie oder überzeichnete Darstellung lächerlich gemacht, statt mit Gründen widerlegt zu werden.
- Lügen-FeuerwehrschlauchMassenhafte, schnelle und widersprüchliche Falschbehauptungen über viele Kanäle, die nicht überzeugen, sondern Orientierung und Vertrauen zerstören sollen.
M
- Maskierter-Mann-FehlschlussAus unterschiedlichem Wissen, Glauben oder Wollen über zwei Beschreibungen wird geschlossen, dass sie nicht dasselbe Ding bezeichnen können.
- MauernBerechtigte Fragen werden konsequent ignoriert, mit Leerformeln beantwortet oder abgeblockt, um sich jeder inhaltlichen Festlegung zu entziehen.
- McNamara-FehlschlussNur leicht messbare Größen werden zur Beurteilung herangezogen, während schwer messbare, aber wichtige Faktoren als unwichtig oder nicht existent behandelt werden.
- Mehrheitsappell (Ad populum)Eine Behauptung soll wahr oder gut sein, weil viele Menschen oder die Mehrheit sie glauben; Mehrheiten entscheiden demokratisch, aber nicht über Tatsachen.
- MeutenangriffViele Personen stürzen sich gleichzeitig auf eine einzelne Person oder Aussage, sodass diese überwältigt wird und nicht mehr sinnvoll antworten kann.
- Mitläufereffekt (Bandwagon)Man soll sich einer Position anschließen, weil sie gerade an Zuspruch gewinnt oder „alle umsteigen“, und man nicht zurückbleiben will.
- MitleidsappellMitleid mit einer Person oder Gruppe soll eine Behauptung stützen, die mit deren Notlage sachlich nichts zu tun hat.
- Modaler SkopusfehlerDie Notwendigkeit eines Wenn-dann-Zusammenhangs wird fälschlich auf die Folge selbst übertragen, sodass etwas Zufälliges als zwangsläufig erscheint.
- Monokausale ErklärungEin Ergebnis mit vielen zusammenwirkenden Ursachen wird auf eine einzige Ursache zurückgeführt, meist auf die, die zur eigenen Position passt.
- Moralistischer FehlschlussAus einer moralischen Bewertung wird geschlossen, wie die Wirklichkeit beschaffen ist: Was nicht sein soll, kann angeblich auch nicht sein.
- Motte-und-Vorhof-TaktikEine gewagte Behauptung wird vertreten, bei Kritik aber durch eine harmlose, kaum bestreitbare Version ersetzt – danach kehrt man zur gewagten zurück.
N
- NatürlichkeitsappellEtwas wird für gut, gesund oder richtig erklärt, weil es „natürlich“ ist, oder für schlecht, weil es „unnatürlich“ ist, ohne weitere Begründung.
- Nazi-Vergleich (Reductio ad Hitlerum)Eine Position wird verworfen, weil auch Hitler, die Nazis oder ein anderes Terrorregime sie vertreten haben oder sie oberflächlich an diese erinnert.
- NeuheitsappellEtwas soll besser oder richtig sein, nur weil es neu, modern oder zeitgemäß ist, ohne dass seine Vorteile belegt werden.
- Nirwana-FehlschlussEine Maßnahme wird abgelehnt, weil sie das Problem nicht vollständig löst, statt sie mit realistischen Alternativen zu vergleichen.
- Non sequiturDie Schlussfolgerung ergibt sich nicht aus den vorgebrachten Prämissen; zwischen Begründung und Behauptung fehlt eine logische Verbindung.
- NormalitätsappellEtwas wird für gut erklärt, weil es „normal“ ist, oder für schlecht, weil es von der Norm abweicht, ohne zu begründen, warum die Norm maßgeblich ist.
O
- Ökologischer FehlschlussAus Durchschnitts- oder Gesamtdaten einer Region oder Gruppe wird auf das Verhalten oder die Eigenschaften einzelner Mitglieder dieser Gruppe geschlossen.
- Overton-Fenster verschiebenDurch bewusst extreme Forderungen soll der Rahmen des Sagbaren verschoben werden, damit früher radikale Positionen später als gemäßigt erscheinen.
P
- PaketfehlschlussDinge, die üblicherweise gemeinsam auftreten, werden als untrennbar behandelt, sodass man angeblich nur alle zusammen annehmen oder ablehnen kann.
- Patriotismus-Appell (Fahnenschwenken)Zustimmung wird über Heimatliebe oder Gruppenloyalität eingefordert („Ein echter Patriot ist dafür“), statt die Maßnahme sachlich zu begründen.
- Person und Argument trennenEin Argument wird nach seinem Inhalt beurteilt, unabhängig davon, wer es vorbringt, welcher Partei die Person nahesteht oder wie sie sich sonst verhält.
- Persönlicher Angriff (Ad hominem)Eine Position wird zurückgewiesen, indem die Person beschimpft oder abgewertet wird (Charakter, Intelligenz, Aussehen), statt auf ihre Gründe einzugehen.
- Persuasive DefinitionEin Begriff wird so definiert, dass die eigene Position bereits in der Definition steckt und der Streit dadurch scheinbar entschieden ist.
- ProjektionMan wirft dem Gegenüber genau das Verhalten vor, das man selbst an den Tag legt, oft um dem erwarteten Vorwurf zuvorzukommen.
- ProvozierenGezielte Provokationen sollen das Gegenüber zu einer heftigen Reaktion verleiten, die dann vorgeführt wird, statt die Sachfrage zu klären.
- Prozent und Prozentpunkte verwechseltDie Differenz zweier Prozentwerte wird als prozentuale Veränderung ausgegeben oder umgekehrt, wodurch die Veränderung zu groß oder zu klein erscheint.
Q
- QuantorenvertauschungAus „Für jedes X gibt es ein Y“ wird unzulässig „Es gibt ein Y für alle X“ gefolgert.
- Quaternio terminorumEin Syllogismus verwendet scheinbar drei, tatsächlich aber vier Begriffe, meist weil ein Wort in beiden Prämissen unterschiedlich gemeint ist.
- Quellen angebenTatsachenbehauptungen werden mit nachprüfbaren, möglichst seriösen Quellen belegt, die andere selbst einsehen können.
R
- Recherchier selbstStatt Belege für eine Behauptung zu liefern, wird das Gegenüber aufgefordert, selbst zu recherchieren, wobei die Beweislast unbemerkt verschoben wird.
- RegressionsfehlschlussDie natürliche Rückkehr extremer Werte zum Durchschnitt wird fälschlich einer Maßnahme zugeschrieben, die gerade wegen des extremen Werts ergriffen wurde.
- ReifikationEin abstrakter Begriff wie „der Markt“, „die Gesellschaft“ oder „das Volk“ wird wie ein handelndes Wesen mit eigenem Willen behandelt.
- Relatives statt absolutes RisikoEine relative Veränderung („doppelt so hoch“, „minus 50 Prozent“) wird ohne die absoluten Zahlen genannt, sodass kleine Effekte dramatisch oder große harmlos erscheinen.
- Respektvoller WiderspruchMan widerspricht klar in der Sache, bleibt dabei aber höflich und gesteht dem Gegenüber gute Absichten zu.
- RosinenpickenNur die Daten, Studien oder Fakten werden genannt, die die eigene Position stützen; widersprechende, bekannte Belege werden weggelassen oder verschwiegen.
- Rückzug auf IronieEine Aussage gilt je nach Reaktion als ernst gemeint oder als Witz: Bei Zustimmung war sie ernst, bei Kritik „nur Spaß“.
S
- SalamitaktikEin umstrittenes Ziel wird in viele kleine, einzeln harmlos wirkende Schritte zerlegt, sodass der Gesamtzusammenhang verborgen bleibt.
- ScheinentschuldigungEine Entschuldigung, die das eigene Fehlverhalten nicht anerkennt, sondern die Verantwortung auf die Gefühle oder Missverständnisse der anderen verschiebt.
- ScheinexpertenPersonen ohne einschlägige Fachkompetenz werden als Experten präsentiert, um den Eindruck zu erwecken, die Wissenschaft sei gespalten oder widerspreche dem Stand der Forschung.
- ScheingenauigkeitZahlen werden mit mehr Nachkommastellen oder Exaktheit angegeben, als die zugrunde liegenden Daten oder Schätzungen hergeben, und wirken dadurch verlässlicher, als sie sind.
- Schluss von Möglichkeit auf GewissheitWeil etwas möglich oder wahrscheinlich ist, wird es als sicher oder bereits eingetreten behandelt.
- SchmeicheleiDas Publikum wird gelobt („Kluge Leute wie Sie sehen sofort …“), damit es einer Behauptung zustimmt, ohne dass Gründe für die Behauptung genannt werden.
- Schwankungsbreite ignoriertUnterschiede oder Veränderungen in Umfragen und Stichproben werden gedeutet, obwohl sie innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegen und auch Zufall sein können.
- SealioningHartnäckiges, scheinbar höfliches Einfordern von Belegen und Erklärungen, um das Gegenüber zu ermüden statt ernsthaft zu diskutieren.
- Sein-Sollen-FehlschlussAus einer bloßen Tatsachenbeschreibung wird ohne zusätzliche Wertprämisse direkt eine Norm oder Forderung abgeleitet.
- SelbstkorrekturMan räumt eigene Fehler offen ein und korrigiert Aussagen oder Positionen, wenn bessere Argumente oder Belege vorliegen.
- SelbstselektionErgebnisse einer Erhebung, an der Menschen freiwillig teilnehmen, werden als repräsentativ dargestellt, obwohl vor allem stark Interessierte oder Betroffene mitmachen.
- Signifikant heißt nicht bedeutsamEin „statistisch signifikantes“ Ergebnis wird als großer oder wichtiger Effekt dargestellt, oder ein nicht signifikantes Ergebnis als Beweis, dass es keinen Effekt gibt.
- Simpson-Paradoxon übersehenEin Gesamtergebnis wird gedeutet, ohne zu beachten, dass sich der Zusammenhang umkehrt, sobald man die Daten nach einer wichtigen Untergruppe aufschlüsselt.
- Sippenhaft-Argument (Schuld durch Assoziation)Eine Position oder Person wird abgewertet, weil auch unbeliebte Personen oder Gruppen sie vertreten oder mit ihr in Verbindung stehen.
- SockenpuppenEine Person nutzt mehrere Accounts, um sich selbst zuzustimmen, Mehrheiten vorzutäuschen oder Sperren zu umgehen.
- SonderplädoyerFür den eigenen Fall wird eine Ausnahme von einer allgemein vertretenen Regel beansprucht, ohne einen relevanten Unterschied zu begründen.
- SpielerfehlschlussBei voneinander unabhängigen Zufallsereignissen wird angenommen, ein Ergebnis werde wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher, weil es länger nicht oder gehäuft eingetreten ist.
- SpinnerauswahlDie extremsten oder absurdesten Vertreter einer Gruppe werden herausgegriffen und als typisch dargestellt, um die ganze Gruppe zu diskreditieren.
- Stahlmann-ArgumentDie Position der Gegenseite wird in ihrer stärksten, fairsten Form wiedergegeben, bevor man sich kritisch mit ihr auseinandersetzt.
- Strohmann-ArgumentDie Position des Gegenübers wird verzerrt, überspitzt oder durch ihre schwächste Version ersetzt, und dann diese Karikatur statt der tatsächlichen Position widerlegt.
- Suggestivfrage mit falscher VoraussetzungEine Frage enthält eine unbewiesene oder strittige Voraussetzung, sodass jede direkte Antwort diese Voraussetzung anerkennt.
T
- Texanischer ScharfschützeIn zufällig verteilten Daten wird nachträglich ein auffälliges Muster oder eine Häufung herausgegriffen und als Beleg für eine Ursache gedeutet.
- ThemenentgleisungEine Diskussion wird gezielt auf ein anderes, oft eigenes Lieblingsthema umgelenkt, sodass das ursprüngliche Thema nicht mehr besprochen wird.
- Tonfall-PolizeiStatt auf den Inhalt einzugehen, wird nur der Ton oder die Emotionalität einer Aussage kritisiert, um sie damit abzuwerten.
- Torpfosten verschiebenNachdem ein geforderter Beleg erbracht wurde, werden die Anforderungen nachträglich verschärft oder verändert, sodass die Gegenposition nie gewinnen kann.
- TotschlagargumentEine griffige Floskel, die eine Diskussion beendet, statt ein Argument zu liefern, etwa „Das war schon immer so“ oder „Das ist halt Politik“.
- TraditionsappellEtwas soll richtig oder besser sein, nur weil es schon lange so gemacht wird oder Tradition hat, ohne Gründe für seine heutige Berechtigung.
- Träge InduktionEin durch viele, starke Belege gestützter Schluss wird abgelehnt, etwa als Zufall oder Einzelfall abgetan, ohne eine bessere Erklärung anzubieten.
U
- Übereilte VerallgemeinerungAus wenigen oder zufällig ausgewählten Einzelfällen wird eine allgemeine Aussage über eine ganze Gruppe, ein Land oder ein Politikfeld abgeleitet.
- Überlebenden-VerzerrungSchlüsse werden nur aus den Fällen gezogen, die einen Auswahlprozess überstanden haben, während gescheiterte oder ausgeschiedene Fälle unsichtbar bleiben.
- Überprüfbare AussagenBehauptungen werden so formuliert, dass sie anhand von Daten oder Ereignissen überprüft werden können, und man sagt, was sie widerlegen würde.
- Übersehene gemeinsame UrsacheZwei Größen werden als Ursache und Wirkung gedeutet, obwohl beide von einem dritten Faktor abhängen, der den Zusammenhang erklärt.
- Übersteigertes MisstrauenAlle Informationen aus etablierten Quellen werden grundsätzlich abgelehnt, während Behauptungen, die zur eigenen Sicht passen, ungeprüft übernommen werden.
- Umgekehrte KausalitätBei einem Zusammenhang zweier Größen wird eine Wirkrichtung behauptet, obwohl ebenso gut oder eher die Wirkung die Ursache beeinflusst.
- Umstandsbezogenes Ad hominemEin Argument wird allein wegen der Lebensumstände oder Interessen des Sprechers verworfen (Beruf, Herkunft, Partei, Vorteil), ohne seinen Inhalt zu prüfen.
- Unberechtigter Umkehrschluss bei „einige“Aus „Einige A sind B“ wird gefolgert, dass einige A nicht B sind, obwohl „einige“ logisch auch „alle“ zulässt.
- Uneinheitlicher VergleichZahlen werden verglichen, die unterschiedlich definiert, erhoben oder abgegrenzt sind, oder es werden je nach Kennzahl andere Vergleichspartner gewählt.
- Unerfüllbare ErwartungenEs wird ein unrealistisch hoher Grad an Gewissheit oder Beweis verlangt, sodass jede wissenschaftliche Erkenntnis als unbewiesen abgetan werden kann.
- Unerlaubter OberbegriffDie Schlussfolgerung sagt etwas über alle Fälle des Oberbegriffs aus, obwohl die Prämisse nur über einen Teil davon spricht.
- Unerlaubter UnterbegriffDie Schlussfolgerung verallgemeinert auf alle Fälle des Unterbegriffs, obwohl die Prämisse nur einen Teil davon erfasst.
- Unsicherheit eingestehenMan benennt offen, wo das eigene Wissen endet, wie sicher eine Aussage ist und welche Fragen noch offen sind.
- Unterdrückter GegenbegriffEin Begriff wird so weit gefasst, dass sein Gegenbegriff nichts mehr bezeichnet, wodurch die Unterscheidung sinnlos wird.
- Unterschätzung exponentiellen WachstumsEine Größe, die um einen festen Prozentsatz wächst, wird gedanklich linear fortgeschrieben, wodurch ihre künftige Höhe deutlich unterschätzt wird.
- Unterstellte böse AbsichtHinter jeder Erkenntnis oder Maßnahme wird automatisch eine finstere Absicht der Beteiligten vermutet, ohne dafür Belege zu brauchen.
- Unterstellung durch AndeutungEine Behauptung wird nicht ausgesprochen, sondern durch Andeutung, rhetorische Frage oder auffälliges Schweigen nahegelegt, um sich der Beweispflicht zu entziehen.
- Unterstellung von MotivenEin Argument wird verworfen, indem dem Sprecher verborgene Absichten unterstellt werden (Karriere, Stimmenfang, Geltungsdrang), ohne dass die Gründe selbst geprüft werden.
- Unverteilter MittelbegriffZwei Dinge werden gleichgesetzt, weil beide dieselbe Eigenschaft haben: „Alle A sind C, alle B sind C, also sind alle A B.“
- Unvollständiger VergleichEs wird behauptet, etwas sei besser, höher, billiger oder sicherer, ohne anzugeben, womit verglichen wird, sodass die Aussage nicht überprüfbar ist.
- Unzulässige ExtrapolationEin kurzfristiger oder lokaler Trend wird ohne Begründung weit über den beobachteten Bereich hinaus fortgeschrieben, als würde er unverändert weitergehen.
- Unzulässige KontrapositionAus „Wenn A, dann B“ wird „Wenn nicht A, dann nicht B“ abgeleitet, statt korrekt „Wenn nicht B, dann nicht A“.
- Unzulässige Kontraposition bei AllaussagenAus „Einige A sind B“ oder „Kein A ist B“ wird unzulässig eine kontraponierte Aussage über Nicht-B und Nicht-A abgeleitet.
- Unzulässige KonversionAus „Alle A sind B“ (oder „Einige A sind nicht B“) wird durch Vertauschen von Subjekt und Prädikat unzulässig „Alle B sind A“ gefolgert.
- Unzulässiger AutoritätsappellEine Behauptung soll stimmen, weil eine fachfremde, befangene oder einzelne abweichende Autorität sie vertritt; das Zitieren echter Fachleute im eigenen Fachgebiet ist legitim.
V
- Verfälschter KonsensMan behauptet ohne Beleg, die Mehrheit, „alle Experten“ oder „das Volk“ stünden hinter der eigenen Position, oder leugnet einen tatsächlich bestehenden Konsens.
- Verfolgtes OpferMan stellt sich als mutigen, unterdrückten Wahrheitsverkünder dar, sodass Widerspruch und Kritik als Beleg für die Richtigkeit der eigenen Position erscheinen.
- Verneinender Schluss aus bejahenden PrämissenAus ausschließlich bejahenden Prämissen wird eine verneinende Schlussfolgerung gezogen, die so nicht folgen kann.
- Verneinung des AntezedensAus „Wenn A, dann B“ und „A ist nicht der Fall“ wird unzulässig gefolgert, dass auch B nicht der Fall ist.
- Verneinung eines KonjunktionsgliedsAus „Nicht zugleich A und B“ und „A ist falsch“ wird unzulässig gefolgert, dass B wahr sein muss.
- VerschwörungsdenkenEreignisse oder wissenschaftliche Befunde werden durch eine geheime, böswillige Absprache mächtiger Gruppen erklärt, statt durch die verfügbaren Belege.
- Verständnisfragen stellenBevor man widerspricht, fragt man ehrlich nach oder fasst die Aussage des Gegenübers zusammen, um sicherzugehen, dass man sie richtig verstanden hat.
- Vertauschung von Bedingung und FolgeAus „Wenn A, dann B“ wird ohne Begründung „Wenn B, dann A“ gemacht, als wären Bedingung und Folge austauschbar.
- Verzerrte StichprobeEin Schluss auf die Gesamtbevölkerung stützt sich auf eine Gruppe, die systematisch anders zusammengesetzt ist als die Gesamtheit, über die geurteilt wird.
- Verzerrte Wiedergabe von ForschungStudienergebnisse werden übertrieben, falsch verallgemeinert oder ins Gegenteil verkehrt, etwa durch Verwechseln von Korrelation und Ursache oder Ignorieren von Einschränkungen.
W
- Wertgeladene SpracheStatt neutraler Begriffe werden emotional oder wertend aufgeladene Wörter verwendet, die eine Bewertung vorwegnehmen, ohne sie zu begründen.
- WhataboutismAuf eine Kritik wird mit dem Verweis auf Missstände anderswo („Und was ist mit …?“) geantwortet, ohne die Kritik selbst zu beantworten.
- Widersprüchliche AnnahmenMan vertritt gleichzeitig mehrere einander ausschließende Erklärungen, weil sie alle der offiziellen Darstellung widersprechen.
- Widersprüchliche PrämissenEin Argument stützt sich auf Behauptungen, die nicht gleichzeitig wahr sein können.
- WieselwörterVage Formulierungen wie „Experten sagen“, „viele meinen“ oder „bis zu“ erwecken den Eindruck einer klaren Aussage, die sich aber nicht überprüfen lässt.
- Will-Rogers-PhänomenEine Verbesserung beider Gruppendurchschnitte wird als echter Fortschritt verkauft, obwohl sie nur daraus entsteht, dass Fälle von einer Gruppe in die andere verschoben wurden.
- WunschdenkenEtwas wird geglaubt oder verworfen, weil man es sich wünscht oder fürchtet, nicht weil die Belege dafür oder dagegen sprechen.
Z
- Zahlen mit KontextKonkrete Zahlen und Belege werden eingeordnet, etwa durch Bezugsgrößen, Vergleichswerte, Zeiträume oder Angaben zur Unsicherheit.
- ZirkelschlussDie zu beweisende Behauptung wird offen oder versteckt bereits als Prämisse vorausgesetzt.
- Zitat aus dem ZusammenhangEin Zitat wird so gekürzt oder aus seinem Zusammenhang gelöst, dass es eine Bedeutung erhält, die der Urheber nicht gemeint hat.
- Zu viel beweisenEin Argument würde, konsequent angewandt, auch offensichtlich falsche oder vom Sprecher selbst abgelehnte Schlussfolgerungen begründen.
- Zufall als Zeichen deutenZufällige Ereignisse, Zahlenspiele oder zeitliche Zusammenfälle werden als gezielte Hinweise auf einen geheimen Plan gedeutet.
- Zwei Unrecht ergeben ein RechtEin falsches Verhalten wird gerechtfertigt, weil die andere Seite zuvor oder ebenfalls Unrecht getan hat, als ob sich Unrecht gegenseitig aufheben würde.
- Zwei verneinende PrämissenAus zwei verneinenden Prämissen wird eine Schlussfolgerung gezogen, obwohl aus zwei Verneinungen im Syllogismus nichts folgt.