Technik · Schwere 2/3
Kunstgriff 28: Argumentum ad auditores
Man bringt einen ungültigen, aber für das Publikum einleuchtenden oder witzigen Einwand vor, dessen Fehler nur Fachkundige erkennen.
Schopenhauer beschreibt den Fall, dass Gelehrte vor Ungelehrten streiten: Man macht einen ungültigen Einwand, dessen Ungültigkeit nur ein Kenner sieht, der aber die Lacher auf seine Seite bringt. Die Widerlegung wäre zu lang. Online zielt das auf Likes: ein spöttischer Einzeiler gegen eine komplexe Erklärung. Unfair ist es, weil Applaus statt Argument entscheidet.
Beispiel
Auf eine ausführliche Erklärung zur EZB-Zinspolitik antwortet jemand nur: „Also einfach mehr Geld drucken und alles wird gut? Genial, warum ist da noch keiner draufgekommen?“ – und erhält hunderte Likes.
So geht es besser
Den Einwand kurz und verständlich richtigstellen, ohne sich auf Spott einzulassen. Selbst nicht für das Publikum, sondern für das Gegenüber argumentieren.