Fehlschluss · Schwere 2/3
Unterstellung von Motiven
Ein Argument wird verworfen, indem dem Sprecher verborgene Absichten unterstellt werden (Karriere, Stimmenfang, Geltungsdrang), ohne dass die Gründe selbst geprüft werden.
Statt zu fragen, ob etwas stimmt, wird gefragt, warum jemand es sagt – und die vermutete Absicht ersetzt die Prüfung. Oft sind die unterstellten Motive bloße Spekulation; selbst wenn sie zuträfen, könnte das Argument dennoch richtig sein. Im Unterschied zum umstandsbezogenen Ad hominem geht es nicht um objektive Lebensumstände, sondern um vermutete innere Beweggründe. Fragen nach Motiven sind legitim, wenn es um Vertrauen oder um Absprachen geht und es dafür konkrete Anhaltspunkte gibt.
Beispiel
„Die Gemeinderätin will die Schule nur deshalb sanieren, weil nächstes Jahr Wahlen sind – ihr Antrag ist also reine Show.“
So geht es besser
Den Vorschlag nach Nutzen, Kosten und Belegen beurteilen; Vermutungen über Motive als solche kennzeichnen.