Sonntag, 11. Oktober 2026
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Lexikon

Argumentationslexikon

Fehlschlüsse, unfaire Diskussionstechniken und was gute Argumentation ausmacht – 273 Begriffe, die Grundlage der KI-Prüfung auf politforum.net.

167 von 273 Begriffen · Filter aufheben

A

  • Ablenkungsmanöver (Roter Hering)Ein anderes, oft emotional aufgeladenes Thema wird eingeführt, um von der eigentlichen Frage abzulenken, ohne diese zu beantworten.
  • AkzentfehlschlussDurch veränderte Betonung, Hervorhebung oder Formatierung erhält eine Aussage eine Bedeutung, die ursprünglich nicht gemeint war.
  • Am Thema vorbei (Ignoratio elenchi)Ein Argument begründet eine andere Schlussfolgerung als die strittige, wirkt aber so, als hätte es die eigentliche Frage beantwortet.
  • AmphibolieEin Satz ist wegen seines Satzbaus mehrdeutig, und das Argument nutzt eine Lesart, die nicht gemeint oder nicht belegt ist.
  • Anekdotischer BelegEine persönliche Geschichte oder Einzelerfahrung wird als Beweis gegen oder für eine Aussage verwendet, obwohl systematische Daten etwas anderes zeigen oder fehlen.
  • Angriff wegen des Geschlechts (Ad feminam)Eine Aussage wird unter Verweis auf das Geschlecht der sprechenden Person (oft einer Frau) oder auf Geschlechterklischees abgewertet, statt inhaltlich geprüft.
  • Angstappell (Panikmache)Zustimmung wird erzeugt, indem übertriebene oder unbelegte Gefahren ausgemalt werden; die Angst ersetzt den Nachweis, dass die Gefahr real und wahrscheinlich ist.
  • Anonyme AutoritätEine Behauptung wird mit ungenannten Autoritäten („Experten sagen“, „Studien belegen“, „Insider berichten“) begründet, die sich nicht überprüfen lassen.
  • Appell an ArmutEine Aussage gilt als glaubwürdiger oder richtiger, weil sie von armen oder einfachen Leuten stammt, oder eine Sache als besser, weil sie bescheiden oder billig ist.
  • Appell an das GesetzEtwas wird für moralisch richtig erklärt, weil es legal ist, oder für falsch, weil es verboten ist, obwohl Recht und Moral nicht deckungsgleich sind.
  • Appell an den EigennutzEine Tatsachen- oder Gerechtigkeitsbehauptung soll gelten, weil sie dem Publikum persönlich nützt; eigene Interessen bei Entscheidungen zu bedenken ist dagegen legitim.
  • Appell an den HausverstandEine strittige Behauptung wird als selbstverständlich oder als „Hausverstand“ ausgegeben, um sich die Begründung zu sparen und Widerspruch als unvernünftig darzustellen.
  • Appell an die FolgenEine Tatsachenbehauptung wird für wahr oder falsch erklärt, weil ihre Folgen erwünscht oder unerwünscht wären; bei Entscheidungen über Maßnahmen sind Folgen dagegen legitim.
  • Appell an einen SchlussstrichEine Erklärung oder Entscheidung soll akzeptiert werden, weil endlich Klarheit oder Ruhe herrschen müsse, nicht weil sie gut begründet ist.
  • Appell an GefühleGefühle (Rührung, Empörung, Stolz, Schuld) werden geweckt, um eine Behauptung zu stützen, obwohl sie keinen Grund für deren Wahrheit liefern; Spezialformen haben eigene Einträge.
  • Appell an LeistungenEine Aussage wird wegen der Erfolge des Sprechers akzeptiert oder wegen fehlender Erfolge des Kritikers abgelehnt, obwohl diese Leistungen zur Sachfrage nichts beitragen.
  • Appell an ReichtumEine Aussage oder Sache gilt als richtig oder besser, weil sie von Reichen stammt oder viel Geld kostet, obwohl Reichtum oder Preis das nicht belegen.
  • Appell an Wut und GehässigkeitGroll, Neid oder Empörung gegen eine Person oder Gruppe werden geschürt, damit eine Behauptung oder Maßnahme Zustimmung findet, die sachlich damit nicht begründet ist.
  • ÄquivokationEin Wort wird innerhalb eines Arguments in zwei verschiedenen Bedeutungen verwendet, sodass der Schluss nur scheinbar gültig ist.
  • Argument aus dem SchweigenAus dem Fehlen einer Äußerung, Erwähnung oder Reaktion wird ohne Weiteres geschlossen, dass jemand etwas nicht weiß, billigt oder dass etwas nicht geschehen ist.
  • Argument aus UngläubigkeitEine Behauptung wird abgelehnt, weil man sie sich nicht vorstellen kann oder sie unglaublich erscheint, statt die vorhandenen Belege zu prüfen.
  • Argument aus UnwissenheitEine Behauptung gilt als wahr, weil ihr Gegenteil nicht bewiesen wurde, oder als falsch, weil sie selbst noch nicht bewiesen wurde.
  • Argument der goldenen MitteEin Mittelweg zwischen zwei Positionen wird allein deshalb für richtig gehalten, weil er in der Mitte liegt.
  • Argumentum ad lapidemEine Behauptung wird als absurd, lächerlich oder indiskutabel abgetan, ohne zu begründen, warum sie falsch ist.
  • Aufgebauschter ExpertenstreitAus Meinungsverschiedenheiten unter Fachleuten über Details wird geschlossen, dass das ganze Fachgebiet nichts Gesichertes wisse oder alle Positionen gleich gut seien.
  • Aufwertung durch AssoziationEine Position oder Person wird aufgewertet, weil angesehene Personen, Gruppen oder Symbole mit ihr verbunden sind, ohne dass dies etwas über die Sache belegt.
  • Ausgewählter ZeitraumStart- oder Endpunkt einer Zeitreihe wird so gewählt, dass ein gewünschter Trend entsteht oder verschwindet, obwohl ein anderer Zeitraum ein anderes Bild zeigt.
  • AusweichenEine direkte Frage wird nicht beantwortet, sondern mit Allgemeinplätzen, Gegenfragen oder der Antwort auf eine andere Frage umschifft.

B

  • BasiseffektEine hohe oder niedrige prozentuale Veränderung wird als bedeutsam gedeutet, obwohl sie vor allem auf eine ungewöhnlich niedrige oder hohe Ausgangsbasis zurückgeht.
  • BasisratenfehlerDie allgemeine Häufigkeit eines Merkmals in der Gesamtbevölkerung wird ignoriert, sodass spezifische Informationen wie Testergebnisse oder Anteile falsch gedeutet werden.
  • Bejahender Schluss aus verneinender PrämisseEin Syllogismus mit einer verneinenden Prämisse endet in einer bejahenden Schlussfolgerung, was logisch nicht möglich ist.
  • Bejahung des KonsequensAus „Wenn A, dann B“ und „B ist der Fall“ wird unzulässig gefolgert, dass auch A der Fall sein muss.
  • Bejahung eines DisjunktionsgliedsAus „A oder B“ und „A ist wahr“ wird gefolgert, dass B falsch sein muss, obwohl das „oder“ beides zulässt.
  • Berufung auf Gottes WillenEine Position oder Handlung wird damit gerechtfertigt, dass Gott, das Schicksal oder eine höhere Macht sie wolle, was sich nicht überprüfen lässt.
  • Beweis durch BehauptungEine Aussage wird ohne Begründung als feststehende Tatsache hingestellt oder einfach so oft wiederholt, bis sie als bewiesen gelten soll.
  • Beweis durch EinschüchterungEine Behauptung wird durch einschüchterndes Auftreten, Fachjargon oder die Unterstellung durchgesetzt, nur Dumme könnten widersprechen, statt durch nachvollziehbare Begründung.
  • BeweislastumkehrWer eine Behauptung aufstellt, verlangt vom Gegenüber, sie zu widerlegen, statt selbst Belege für die eigene Behauptung zu liefern.
  • Bloße Behauptung (Ipse dixit)Eine Behauptung soll allein deshalb gelten, weil der Sprecher (oder seine Bewegung, sein Vorbild) sie aufstellt, ohne jede weitere Begründung.
  • BrunnenvergiftungJemand wird vorab, bevor er argumentiert, so abgewertet, dass alles, was er sagen wird, von vornherein als unglaubwürdig gilt.
  • BulverismusOhne zu zeigen, dass eine Ansicht falsch ist, wird ihre Falschheit vorausgesetzt und nur erklärt, welche psychischen Gründe das Gegenüber zu diesem „Irrtum“ führen.

C

  • Chewbacca-VerteidigungDurch absichtlich verwirrende, sinnlose oder zusammenhanglose Ausführungen wird das Publikum so durcheinandergebracht, dass es dem eigentlichen Argument nicht mehr folgt.
  • Chronologischer HochmutEin Gedanke wird verworfen, weil er aus einer früheren, als überholt geltenden Zeit stammt, ohne dass gezeigt wird, dass er tatsächlich widerlegt wurde.

D

  • DammbruchargumentEin erster Schritt wird abgelehnt, weil er angeblich zwangsläufig eine Kette immer schlimmerer Folgen auslöst, ohne diese Kette zu belegen.
  • Danach, also deswegenWeil ein Ereignis zeitlich nach einem anderen eintrat, wird ohne weiteren Beleg angenommen, das frühere Ereignis habe das spätere verursacht.
  • Dann geh doch! (Verräterischer Kritiker)Kritik an einer Gruppe, Organisation oder einem Land wird abgewehrt, indem dem Kritiker Illoyalität vorgeworfen oder nahegelegt wird, er solle doch gehen.
  • Das machen doch alleEin Verhalten wird gerechtfertigt, weil es weit verbreitet oder üblich ist, obwohl Verbreitung nichts darüber aussagt, ob es richtig oder zulässig ist.
  • DatenfischenAus vielen durchsuchten Variablen, Untergruppen oder Auswertungsvarianten wird nur der eine „signifikante“ Zusammenhang berichtet, der bei so vielen Versuchen zufällig erwartbar war.
  • DefinitionsfehlschlussEin Begriff wird ohne Begründung mit einem anderen gleichgesetzt, um ihm dessen Bewertung zu übertragen oder eine Streitfrage per Definition zu entscheiden.
  • Denkt doch an die Kinder!Eine Maßnahme soll gerechtfertigt sein, weil sie angeblich Kinder schützt, ohne Belege für die Wirkung und so, dass Kritik als Kinderfeindlichkeit erscheint.
  • Distanzierungs-AnführungszeichenEin Begriff wird in spöttische Anführungszeichen oder ein abwertendes „sogenannt“ gesetzt, um ihn in Zweifel zu ziehen, ohne Gründe zu nennen.
  • DivisionsfehlschlussWas für das Ganze oder eine Gruppe gilt, wird ohne Weiteres jedem einzelnen Teil oder Mitglied zugeschrieben.
  • DoppelzählungDerselbe Betrag, Effekt oder Fall wird in einer Rechnung mehrfach gezählt, wodurch Kosten, Nutzen oder Fallzahlen künstlich aufgebläht werden.
  • Drohung (Argumentum ad baculum)Zustimmung wird durch angedrohte Nachteile oder Gewalt seitens des Sprechers erzwungen statt durch Gründe für die Wahrheit oder Richtigkeit der Position.
  • Du-auch-Argument (Tu quoque)Eine Kritik oder Forderung wird zurückgewiesen, weil die kritisierende Person sich selbst nicht daran hält; ihr Verhalten widerlegt die Aussage aber nicht.

E

  • Einwand des HöflingsKritik wird abgewiesen, weil der Kritiker die Fachliteratur oder Feinheiten einer Lehre nicht im Detail kenne, obwohl seine Kritik grundsätzliche Voraussetzungen betrifft.
  • Erdrückende AusnahmeEine Verallgemeinerung wird aufgestellt, aber mit so vielen Einschränkungen und Ausnahmen versehen, dass sie kaum noch etwas über die Gesamtheit aussagt.
  • Es gibt Schlimmeres (Relative Benachteiligung)Ein Problem wird abgetan, weil es anderswo größere Probleme gebe, obwohl das nichts daran ändert, ob das genannte Problem besteht und gelöst werden sollte.
  • Etymologischer FehlschlussDie heutige Bedeutung eines Wortes wird aus seiner Herkunft abgeleitet, als wäre die ursprüngliche Bedeutung die einzig richtige.
  • EuphemismusEin beschönigender Ausdruck verschleiert, was tatsächlich gemeint ist, damit eine unangenehme Sache harmloser oder positiver erscheint.
  • ExistenzfehlschlussAus reinen Allaussagen wird geschlossen, dass bestimmte Dinge tatsächlich existieren, obwohl die Prämissen das nicht behaupten.

F

  • Falsche AnalogieAus der Ähnlichkeit zweier Dinge in einigen Punkten wird geschlossen, dass sie auch in einem weiteren, entscheidenden Punkt übereinstimmen, obwohl relevante Unterschiede bestehen.
  • Falsche GleichsetzungZwei Dinge werden aufgrund einer oberflächlichen Gemeinsamkeit als gleichwertig behandelt, obwohl sie sich in wesentlichen Punkten unterscheiden.
  • Falsche oder unbelegte PrämisseEin formal korrekter Schluss stützt sich auf eine Voraussetzung, die falsch, unbelegt oder stark umstritten ist und stillschweigend als gesichert gilt.
  • Falsches DilemmaEs werden nur zwei (oder wenige) Optionen als einzig mögliche dargestellt, obwohl weitere Möglichkeiten bestehen.
  • Fehlende BezugsgrößeAbsolute Zahlen werden verglichen, ohne sie auf eine passende Bezugsgröße wie Einwohnerzahl, Fahrleistung oder Gesamtmenge umzurechnen.
  • Fehlschluss der fehlenden QualifikationEin Argument wird abgelehnt, weil dem Sprecher ein Titel, Abschluss oder Amt fehlt, obwohl seine Gründe auch ohne diese Qualifikation überprüfbar sind.
  • Fehlschluss der guten AbsichtEine Behauptung oder Maßnahme wird für richtig erklärt, weil die Person dahinter gute Absichten oder einen guten Charakter hat, nicht weil sie belegt oder wirksam ist.
  • Fehlschluss der versunkenen KostenAn einem Vorhaben wird festgehalten, weil schon viel Geld, Zeit oder Mühe investiert wurde, obwohl nur künftige Kosten und Nutzen für die Entscheidung zählen.
  • Fehlschluss des AkzidensEine allgemeine Regel wird starr auf einen Sonderfall angewendet, für den sie offensichtlich nicht gedacht ist.
  • Fehlschluss des AnklägersDie Wahrscheinlichkeit eines Befunds unter einer Annahme wird mit der Wahrscheinlichkeit der Annahme angesichts des Befunds verwechselt.
  • Fehlschluss-FehlschlussWeil ein Argument für eine These fehlerhaft ist, wird die These selbst für falsch erklärt.

G

  • Galilei-GambitEine Außenseiterposition soll richtig sein, weil sie wie einst Galilei von der Mehrheit oder den Fachleuten abgelehnt wird; Ablehnung ist aber kein Wahrheitsbeweis.
  • GeldillusionGeldbeträge aus verschiedenen Jahren werden nominal verglichen, ohne Inflation oder Wirtschaftswachstum zu berücksichtigen, sodass Zuwächse oder Rekorde verzerrt erscheinen.
  • Genetischer FehlschlussEine Idee wird allein wegen ihres Ursprungs oder ihrer Entstehungsgeschichte (Quelle, Epoche, Erfinder) für falsch oder richtig erklärt, statt nach ihrer heutigen Begründung.
  • Gesetz der kleinen ZahlenErgebnisse aus sehr kleinen Fallzahlen oder Gruppen werden für ebenso verlässlich gehalten wie aus großen, obwohl kleine Zahlen viel stärker zufällig schwanken.
  • GlaubensappellStatt Gründe zu liefern, wird verlangt, eine Behauptung im Glauben anzunehmen; wer zweifelt, habe eben nicht genug Vertrauen.
  • Glückssträhnen-FehlschlussAus einer zufälligen Serie von Erfolgen wird geschlossen, die Erfolgsserie werde sich wegen einer besonderen „Form“ oder Gesetzmäßigkeit fortsetzen.

H

  • HistorikerfehlschlussFrühere Entscheidungen werden so beurteilt, als hätten die Beteiligten damals schon gewusst, was man erst heute weiß.

I

  • IdentitätsfehlschlussDie Gültigkeit eines Arguments wird an der Gruppenzugehörigkeit des Sprechers (Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Klasse) festgemacht statt an seinen Gründen.
  • Irreführende AnschaulichkeitEin besonders dramatisches, anschauliches oder medienpräsentes Ereignis wird als Maßstab für die Häufigkeit oder Gefährlichkeit eines Phänomens genommen.
  • Irreführende GrafikEine Grafik verzerrt durch abgeschnittene oder ungleichmäßige Achsen, unpassende Flächen oder fehlende Beschriftung die Größe von Unterschieden oder Veränderungen.
  • Irreführender DurchschnittEin Durchschnittswert wird so verwendet, dass er die typische Situation falsch wiedergibt, etwa das arithmetische Mittel bei stark ungleich verteilten Werten.

K

  • Kein wahrer SchotteEin Gegenbeispiel zu einer Allaussage wird abgewehrt, indem man die Gruppe nachträglich so umdefiniert, dass das Gegenbeispiel nicht mehr dazugehört.
  • KesselargumentFür dieselbe Position werden mehrere Begründungen angeführt, die einander widersprechen.
  • KompositionsfehlschlussWas für die einzelnen Teile gilt, wird ohne Weiteres auch dem Ganzen zugeschrieben.
  • KonjunktionsfehlschlussDas gemeinsame Eintreten zweier Ereignisse wird für wahrscheinlicher gehalten als das Eintreten eines der beiden allein.
  • KontinuumsfehlschlussWeil sich keine exakte Grenze zwischen zwei Zuständen ziehen lässt, wird behauptet, es gebe gar keinen echten Unterschied zwischen ihnen.
  • Kontrafaktische GewissheitEs wird mit Sicherheit behauptet, was geschehen wäre, wenn etwas in der Vergangenheit anders verlaufen wäre, ohne dass dies überprüfbar ist.
  • Korrelation ist nicht KausalitätAus dem gemeinsamen Auftreten oder statistischen Zusammenhang zweier Größen wird ohne weitere Prüfung geschlossen, dass die eine die andere verursacht.

L

  • LächerlichmachenEine Position wird durch Spott, Ironie oder überzeichnete Darstellung lächerlich gemacht, statt mit Gründen widerlegt zu werden.

M

  • Maskierter-Mann-FehlschlussAus unterschiedlichem Wissen, Glauben oder Wollen über zwei Beschreibungen wird geschlossen, dass sie nicht dasselbe Ding bezeichnen können.
  • McNamara-FehlschlussNur leicht messbare Größen werden zur Beurteilung herangezogen, während schwer messbare, aber wichtige Faktoren als unwichtig oder nicht existent behandelt werden.
  • Mehrheitsappell (Ad populum)Eine Behauptung soll wahr oder gut sein, weil viele Menschen oder die Mehrheit sie glauben; Mehrheiten entscheiden demokratisch, aber nicht über Tatsachen.
  • Mitläufereffekt (Bandwagon)Man soll sich einer Position anschließen, weil sie gerade an Zuspruch gewinnt oder „alle umsteigen“, und man nicht zurückbleiben will.
  • MitleidsappellMitleid mit einer Person oder Gruppe soll eine Behauptung stützen, die mit deren Notlage sachlich nichts zu tun hat.
  • Modaler SkopusfehlerDie Notwendigkeit eines Wenn-dann-Zusammenhangs wird fälschlich auf die Folge selbst übertragen, sodass etwas Zufälliges als zwangsläufig erscheint.
  • Monokausale ErklärungEin Ergebnis mit vielen zusammenwirkenden Ursachen wird auf eine einzige Ursache zurückgeführt, meist auf die, die zur eigenen Position passt.
  • Moralistischer FehlschlussAus einer moralischen Bewertung wird geschlossen, wie die Wirklichkeit beschaffen ist: Was nicht sein soll, kann angeblich auch nicht sein.

N

  • NatürlichkeitsappellEtwas wird für gut, gesund oder richtig erklärt, weil es „natürlich“ ist, oder für schlecht, weil es „unnatürlich“ ist, ohne weitere Begründung.
  • Nazi-Vergleich (Reductio ad Hitlerum)Eine Position wird verworfen, weil auch Hitler, die Nazis oder ein anderes Terrorregime sie vertreten haben oder sie oberflächlich an diese erinnert.
  • NeuheitsappellEtwas soll besser oder richtig sein, nur weil es neu, modern oder zeitgemäß ist, ohne dass seine Vorteile belegt werden.
  • Nirwana-FehlschlussEine Maßnahme wird abgelehnt, weil sie das Problem nicht vollständig löst, statt sie mit realistischen Alternativen zu vergleichen.
  • Non sequiturDie Schlussfolgerung ergibt sich nicht aus den vorgebrachten Prämissen; zwischen Begründung und Behauptung fehlt eine logische Verbindung.
  • NormalitätsappellEtwas wird für gut erklärt, weil es „normal“ ist, oder für schlecht, weil es von der Norm abweicht, ohne zu begründen, warum die Norm maßgeblich ist.

O

  • Ökologischer FehlschlussAus Durchschnitts- oder Gesamtdaten einer Region oder Gruppe wird auf das Verhalten oder die Eigenschaften einzelner Mitglieder dieser Gruppe geschlossen.

P

  • PaketfehlschlussDinge, die üblicherweise gemeinsam auftreten, werden als untrennbar behandelt, sodass man angeblich nur alle zusammen annehmen oder ablehnen kann.
  • Patriotismus-Appell (Fahnenschwenken)Zustimmung wird über Heimatliebe oder Gruppenloyalität eingefordert („Ein echter Patriot ist dafür“), statt die Maßnahme sachlich zu begründen.
  • Persönlicher Angriff (Ad hominem)Eine Position wird zurückgewiesen, indem die Person beschimpft oder abgewertet wird (Charakter, Intelligenz, Aussehen), statt auf ihre Gründe einzugehen.
  • Persuasive DefinitionEin Begriff wird so definiert, dass die eigene Position bereits in der Definition steckt und der Streit dadurch scheinbar entschieden ist.
  • Prozent und Prozentpunkte verwechseltDie Differenz zweier Prozentwerte wird als prozentuale Veränderung ausgegeben oder umgekehrt, wodurch die Veränderung zu groß oder zu klein erscheint.

Q

  • QuantorenvertauschungAus „Für jedes X gibt es ein Y“ wird unzulässig „Es gibt ein Y für alle X“ gefolgert.
  • Quaternio terminorumEin Syllogismus verwendet scheinbar drei, tatsächlich aber vier Begriffe, meist weil ein Wort in beiden Prämissen unterschiedlich gemeint ist.

R

  • RegressionsfehlschlussDie natürliche Rückkehr extremer Werte zum Durchschnitt wird fälschlich einer Maßnahme zugeschrieben, die gerade wegen des extremen Werts ergriffen wurde.
  • ReifikationEin abstrakter Begriff wie „der Markt“, „die Gesellschaft“ oder „das Volk“ wird wie ein handelndes Wesen mit eigenem Willen behandelt.
  • Relatives statt absolutes RisikoEine relative Veränderung („doppelt so hoch“, „minus 50 Prozent“) wird ohne die absoluten Zahlen genannt, sodass kleine Effekte dramatisch oder große harmlos erscheinen.
  • RosinenpickenNur die Daten, Studien oder Fakten werden genannt, die die eigene Position stützen; widersprechende, bekannte Belege werden weggelassen oder verschwiegen.

S

  • ScheingenauigkeitZahlen werden mit mehr Nachkommastellen oder Exaktheit angegeben, als die zugrunde liegenden Daten oder Schätzungen hergeben, und wirken dadurch verlässlicher, als sie sind.
  • Schluss von Möglichkeit auf GewissheitWeil etwas möglich oder wahrscheinlich ist, wird es als sicher oder bereits eingetreten behandelt.
  • SchmeicheleiDas Publikum wird gelobt („Kluge Leute wie Sie sehen sofort …“), damit es einer Behauptung zustimmt, ohne dass Gründe für die Behauptung genannt werden.
  • Schwankungsbreite ignoriertUnterschiede oder Veränderungen in Umfragen und Stichproben werden gedeutet, obwohl sie innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegen und auch Zufall sein können.
  • Sein-Sollen-FehlschlussAus einer bloßen Tatsachenbeschreibung wird ohne zusätzliche Wertprämisse direkt eine Norm oder Forderung abgeleitet.
  • SelbstselektionErgebnisse einer Erhebung, an der Menschen freiwillig teilnehmen, werden als repräsentativ dargestellt, obwohl vor allem stark Interessierte oder Betroffene mitmachen.
  • Signifikant heißt nicht bedeutsamEin „statistisch signifikantes“ Ergebnis wird als großer oder wichtiger Effekt dargestellt, oder ein nicht signifikantes Ergebnis als Beweis, dass es keinen Effekt gibt.
  • Simpson-Paradoxon übersehenEin Gesamtergebnis wird gedeutet, ohne zu beachten, dass sich der Zusammenhang umkehrt, sobald man die Daten nach einer wichtigen Untergruppe aufschlüsselt.
  • Sippenhaft-Argument (Schuld durch Assoziation)Eine Position oder Person wird abgewertet, weil auch unbeliebte Personen oder Gruppen sie vertreten oder mit ihr in Verbindung stehen.
  • SonderplädoyerFür den eigenen Fall wird eine Ausnahme von einer allgemein vertretenen Regel beansprucht, ohne einen relevanten Unterschied zu begründen.
  • SpielerfehlschlussBei voneinander unabhängigen Zufallsereignissen wird angenommen, ein Ergebnis werde wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher, weil es länger nicht oder gehäuft eingetreten ist.
  • Strohmann-ArgumentDie Position des Gegenübers wird verzerrt, überspitzt oder durch ihre schwächste Version ersetzt, und dann diese Karikatur statt der tatsächlichen Position widerlegt.
  • Suggestivfrage mit falscher VoraussetzungEine Frage enthält eine unbewiesene oder strittige Voraussetzung, sodass jede direkte Antwort diese Voraussetzung anerkennt.

T

  • Texanischer ScharfschützeIn zufällig verteilten Daten wird nachträglich ein auffälliges Muster oder eine Häufung herausgegriffen und als Beleg für eine Ursache gedeutet.
  • TraditionsappellEtwas soll richtig oder besser sein, nur weil es schon lange so gemacht wird oder Tradition hat, ohne Gründe für seine heutige Berechtigung.
  • Träge InduktionEin durch viele, starke Belege gestützter Schluss wird abgelehnt, etwa als Zufall oder Einzelfall abgetan, ohne eine bessere Erklärung anzubieten.

U

  • Übereilte VerallgemeinerungAus wenigen oder zufällig ausgewählten Einzelfällen wird eine allgemeine Aussage über eine ganze Gruppe, ein Land oder ein Politikfeld abgeleitet.
  • Überlebenden-VerzerrungSchlüsse werden nur aus den Fällen gezogen, die einen Auswahlprozess überstanden haben, während gescheiterte oder ausgeschiedene Fälle unsichtbar bleiben.
  • Übersehene gemeinsame UrsacheZwei Größen werden als Ursache und Wirkung gedeutet, obwohl beide von einem dritten Faktor abhängen, der den Zusammenhang erklärt.
  • Umgekehrte KausalitätBei einem Zusammenhang zweier Größen wird eine Wirkrichtung behauptet, obwohl ebenso gut oder eher die Wirkung die Ursache beeinflusst.
  • Umstandsbezogenes Ad hominemEin Argument wird allein wegen der Lebensumstände oder Interessen des Sprechers verworfen (Beruf, Herkunft, Partei, Vorteil), ohne seinen Inhalt zu prüfen.
  • Unberechtigter Umkehrschluss bei „einige“Aus „Einige A sind B“ wird gefolgert, dass einige A nicht B sind, obwohl „einige“ logisch auch „alle“ zulässt.
  • Uneinheitlicher VergleichZahlen werden verglichen, die unterschiedlich definiert, erhoben oder abgegrenzt sind, oder es werden je nach Kennzahl andere Vergleichspartner gewählt.
  • Unerlaubter OberbegriffDie Schlussfolgerung sagt etwas über alle Fälle des Oberbegriffs aus, obwohl die Prämisse nur über einen Teil davon spricht.
  • Unerlaubter UnterbegriffDie Schlussfolgerung verallgemeinert auf alle Fälle des Unterbegriffs, obwohl die Prämisse nur einen Teil davon erfasst.
  • Unterdrückter GegenbegriffEin Begriff wird so weit gefasst, dass sein Gegenbegriff nichts mehr bezeichnet, wodurch die Unterscheidung sinnlos wird.
  • Unterschätzung exponentiellen WachstumsEine Größe, die um einen festen Prozentsatz wächst, wird gedanklich linear fortgeschrieben, wodurch ihre künftige Höhe deutlich unterschätzt wird.
  • Unterstellung durch AndeutungEine Behauptung wird nicht ausgesprochen, sondern durch Andeutung, rhetorische Frage oder auffälliges Schweigen nahegelegt, um sich der Beweispflicht zu entziehen.
  • Unterstellung von MotivenEin Argument wird verworfen, indem dem Sprecher verborgene Absichten unterstellt werden (Karriere, Stimmenfang, Geltungsdrang), ohne dass die Gründe selbst geprüft werden.
  • Unverteilter MittelbegriffZwei Dinge werden gleichgesetzt, weil beide dieselbe Eigenschaft haben: „Alle A sind C, alle B sind C, also sind alle A B.“
  • Unvollständiger VergleichEs wird behauptet, etwas sei besser, höher, billiger oder sicherer, ohne anzugeben, womit verglichen wird, sodass die Aussage nicht überprüfbar ist.
  • Unzulässige ExtrapolationEin kurzfristiger oder lokaler Trend wird ohne Begründung weit über den beobachteten Bereich hinaus fortgeschrieben, als würde er unverändert weitergehen.
  • Unzulässige KontrapositionAus „Wenn A, dann B“ wird „Wenn nicht A, dann nicht B“ abgeleitet, statt korrekt „Wenn nicht B, dann nicht A“.
  • Unzulässige Kontraposition bei AllaussagenAus „Einige A sind B“ oder „Kein A ist B“ wird unzulässig eine kontraponierte Aussage über Nicht-B und Nicht-A abgeleitet.
  • Unzulässige KonversionAus „Alle A sind B“ (oder „Einige A sind nicht B“) wird durch Vertauschen von Subjekt und Prädikat unzulässig „Alle B sind A“ gefolgert.
  • Unzulässiger AutoritätsappellEine Behauptung soll stimmen, weil eine fachfremde, befangene oder einzelne abweichende Autorität sie vertritt; das Zitieren echter Fachleute im eigenen Fachgebiet ist legitim.

V

W

  • Wertgeladene SpracheStatt neutraler Begriffe werden emotional oder wertend aufgeladene Wörter verwendet, die eine Bewertung vorwegnehmen, ohne sie zu begründen.
  • WhataboutismAuf eine Kritik wird mit dem Verweis auf Missstände anderswo („Und was ist mit …?“) geantwortet, ohne die Kritik selbst zu beantworten.
  • Widersprüchliche PrämissenEin Argument stützt sich auf Behauptungen, die nicht gleichzeitig wahr sein können.
  • WieselwörterVage Formulierungen wie „Experten sagen“, „viele meinen“ oder „bis zu“ erwecken den Eindruck einer klaren Aussage, die sich aber nicht überprüfen lässt.
  • Will-Rogers-PhänomenEine Verbesserung beider Gruppendurchschnitte wird als echter Fortschritt verkauft, obwohl sie nur daraus entsteht, dass Fälle von einer Gruppe in die andere verschoben wurden.
  • WunschdenkenEtwas wird geglaubt oder verworfen, weil man es sich wünscht oder fürchtet, nicht weil die Belege dafür oder dagegen sprechen.

Z

  • ZirkelschlussDie zu beweisende Behauptung wird offen oder versteckt bereits als Prämisse vorausgesetzt.
  • Zu viel beweisenEin Argument würde, konsequent angewandt, auch offensichtlich falsche oder vom Sprecher selbst abgelehnte Schlussfolgerungen begründen.
  • Zwei Unrecht ergeben ein RechtEin falsches Verhalten wird gerechtfertigt, weil die andere Seite zuvor oder ebenfalls Unrecht getan hat, als ob sich Unrecht gegenseitig aufheben würde.
  • Zwei verneinende PrämissenAus zwei verneinenden Prämissen wird eine Schlussfolgerung gezogen, obwohl aus zwei Verneinungen im Syllogismus nichts folgt.

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