Sonntag, 11. Oktober 2026
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Lexikon

Argumentationslexikon

Fehlschlüsse, unfaire Diskussionstechniken und was gute Argumentation ausmacht – 273 Begriffe, die Grundlage der KI-Prüfung auf politforum.net.

87 von 273 Begriffen · Filter aufheben

A

  • Argument durch WiederholungEine Behauptung wird so oft wiederholt, bis sie vertraut und dadurch glaubwürdig wirkt oder das Gegenüber erschöpft aufgibt.
  • AstroturfingOrganisierte, oft bezahlte Kampagnen täuschen spontane Bürgermeinung vor, etwa durch Bots, gekaufte Kommentare oder Tarnorganisationen.
  • Aufgeblähte MinderheitEinzelne abweichende Fachleute werden so stark hervorgehoben, dass der Eindruck entsteht, eine breit gestützte wissenschaftliche Erkenntnis sei ernsthaft umstritten.

B

  • Beide-Seiten-AusweichenKonkrete Kritik wird mit dem Hinweis abgewehrt, alle Seiten seien gleich schlimm, sodass der einzelne Fall nicht mehr bewertet werden muss.
  • Beschönigendes FramingWertende oder beschönigende Begriffe lenken die Wahrnehmung eines Sachverhalts in eine gewünschte Richtung, bevor überhaupt argumentiert wird.
  • Besorgnis-TrollingMan gibt vor, ein Anliegen eigentlich zu teilen und nur besorgt zu sein, um es in Wahrheit zu schwächen oder Zweifel zu säen.

E

  • ErbsenzählereiEin nebensächlicher Fehler oder eine ungenaue Formulierung wird aufgegriffen, um das gesamte Argument abzuwerten, ohne auf dessen Kern einzugehen.

F

  • Falsche AusgewogenheitEine gut belegte Position und eine kaum gestützte Außenseitermeinung werden als gleichwertige Seiten einer offenen Debatte präsentiert.
  • Falsche BescheidenheitMan stellt sich betont unwissend oder bescheiden dar, um anschließend eine starke Behauptung ohne Begründungspflicht unterzubringen oder Kritik zu entgehen.

G

  • GaslightingBelegbare Tatsachen oder eigene frühere Aussagen werden dreist geleugnet, damit das Gegenüber an seiner Wahrnehmung oder seinem Gedächtnis zweifelt.
  • GedankenlesenMan behauptet zu wissen, was das Gegenüber „eigentlich“ denkt oder vorhat, und argumentiert gegen diese unterstellte statt gegen die geäußerte Meinung.
  • Gefälschte BelegeErfundene Zitate, manipulierte Bilder, KI-generierte Videos oder echte Aufnahmen aus falschem Zusammenhang werden als Beweis für eine Behauptung präsentiert.
  • Gezielt gestreuter ZweifelDurch systematisches Betonen von Unsicherheiten soll der Eindruck entstehen, eine Frage sei ungeklärt, um Regulierung oder Handeln hinauszuzögern.
  • Gish-GaloppEine Flut vieler, oft schwacher oder falscher Behauptungen in kurzer Zeit, sodass das Gegenüber unmöglich alle widerlegen kann.

H

  • HundepfeifeCodewörter oder Anspielungen, die für die Allgemeinheit harmlos klingen, einer bestimmten Zielgruppe aber eine verdeckte, oft abwertende Botschaft senden.

I

  • Ich frag ja nurEine Behauptung wird als scheinbar harmlose Frage verpackt, um sie zu verbreiten, ohne Verantwortung oder Beweislast für sie zu übernehmen.
  • Immun gegen BelegeJeder Gegenbeweis wird als Teil der Täuschung umgedeutet, sodass die Überzeugung durch keinerlei Belege mehr erschüttert werden kann.
  • Instrumentalisierte KränkungMan erklärt sich beleidigt oder verletzt, um Kritik abzuwehren und die Diskussion auf das eigene Gefühl statt auf die Sache zu lenken.
  • Irgendwas stimmt da nichtSelbst wenn einzelne Verdachtsmomente widerlegt sind, bleibt die Überzeugung bestehen, dass grundsätzlich etwas faul sein muss, und neue Verdachtsgründe werden gesucht.

K

L

  • Lügen-FeuerwehrschlauchMassenhafte, schnelle und widersprüchliche Falschbehauptungen über viele Kanäle, die nicht überzeugen, sondern Orientierung und Vertrauen zerstören sollen.

M

  • MauernBerechtigte Fragen werden konsequent ignoriert, mit Leerformeln beantwortet oder abgeblockt, um sich jeder inhaltlichen Festlegung zu entziehen.
  • MeutenangriffViele Personen stürzen sich gleichzeitig auf eine einzelne Person oder Aussage, sodass diese überwältigt wird und nicht mehr sinnvoll antworten kann.
  • Motte-und-Vorhof-TaktikEine gewagte Behauptung wird vertreten, bei Kritik aber durch eine harmlose, kaum bestreitbare Version ersetzt – danach kehrt man zur gewagten zurück.

O

  • Overton-Fenster verschiebenDurch bewusst extreme Forderungen soll der Rahmen des Sagbaren verschoben werden, damit früher radikale Positionen später als gemäßigt erscheinen.

P

  • ProjektionMan wirft dem Gegenüber genau das Verhalten vor, das man selbst an den Tag legt, oft um dem erwarteten Vorwurf zuvorzukommen.
  • ProvozierenGezielte Provokationen sollen das Gegenüber zu einer heftigen Reaktion verleiten, die dann vorgeführt wird, statt die Sachfrage zu klären.

R

  • Recherchier selbstStatt Belege für eine Behauptung zu liefern, wird das Gegenüber aufgefordert, selbst zu recherchieren, wobei die Beweislast unbemerkt verschoben wird.
  • Rückzug auf IronieEine Aussage gilt je nach Reaktion als ernst gemeint oder als Witz: Bei Zustimmung war sie ernst, bei Kritik „nur Spaß“.

S

  • SalamitaktikEin umstrittenes Ziel wird in viele kleine, einzeln harmlos wirkende Schritte zerlegt, sodass der Gesamtzusammenhang verborgen bleibt.
  • ScheinentschuldigungEine Entschuldigung, die das eigene Fehlverhalten nicht anerkennt, sondern die Verantwortung auf die Gefühle oder Missverständnisse der anderen verschiebt.
  • ScheinexpertenPersonen ohne einschlägige Fachkompetenz werden als Experten präsentiert, um den Eindruck zu erwecken, die Wissenschaft sei gespalten oder widerspreche dem Stand der Forschung.
  • SealioningHartnäckiges, scheinbar höfliches Einfordern von Belegen und Erklärungen, um das Gegenüber zu ermüden statt ernsthaft zu diskutieren.
  • SockenpuppenEine Person nutzt mehrere Accounts, um sich selbst zuzustimmen, Mehrheiten vorzutäuschen oder Sperren zu umgehen.
  • SpinnerauswahlDie extremsten oder absurdesten Vertreter einer Gruppe werden herausgegriffen und als typisch dargestellt, um die ganze Gruppe zu diskreditieren.

T

  • ThemenentgleisungEine Diskussion wird gezielt auf ein anderes, oft eigenes Lieblingsthema umgelenkt, sodass das ursprüngliche Thema nicht mehr besprochen wird.
  • Tonfall-PolizeiStatt auf den Inhalt einzugehen, wird nur der Ton oder die Emotionalität einer Aussage kritisiert, um sie damit abzuwerten.
  • Torpfosten verschiebenNachdem ein geforderter Beleg erbracht wurde, werden die Anforderungen nachträglich verschärft oder verändert, sodass die Gegenposition nie gewinnen kann.
  • TotschlagargumentEine griffige Floskel, die eine Diskussion beendet, statt ein Argument zu liefern, etwa „Das war schon immer so“ oder „Das ist halt Politik“.

U

  • Übersteigertes MisstrauenAlle Informationen aus etablierten Quellen werden grundsätzlich abgelehnt, während Behauptungen, die zur eigenen Sicht passen, ungeprüft übernommen werden.
  • Unerfüllbare ErwartungenEs wird ein unrealistisch hoher Grad an Gewissheit oder Beweis verlangt, sodass jede wissenschaftliche Erkenntnis als unbewiesen abgetan werden kann.
  • Unterstellte böse AbsichtHinter jeder Erkenntnis oder Maßnahme wird automatisch eine finstere Absicht der Beteiligten vermutet, ohne dafür Belege zu brauchen.

V

  • Verfälschter KonsensMan behauptet ohne Beleg, die Mehrheit, „alle Experten“ oder „das Volk“ stünden hinter der eigenen Position, oder leugnet einen tatsächlich bestehenden Konsens.
  • Verfolgtes OpferMan stellt sich als mutigen, unterdrückten Wahrheitsverkünder dar, sodass Widerspruch und Kritik als Beleg für die Richtigkeit der eigenen Position erscheinen.
  • VerschwörungsdenkenEreignisse oder wissenschaftliche Befunde werden durch eine geheime, böswillige Absprache mächtiger Gruppen erklärt, statt durch die verfügbaren Belege.
  • Verzerrte Wiedergabe von ForschungStudienergebnisse werden übertrieben, falsch verallgemeinert oder ins Gegenteil verkehrt, etwa durch Verwechseln von Korrelation und Ursache oder Ignorieren von Einschränkungen.

W

  • Widersprüchliche AnnahmenMan vertritt gleichzeitig mehrere einander ausschließende Erklärungen, weil sie alle der offiziellen Darstellung widersprechen.

Z

  • Zitat aus dem ZusammenhangEin Zitat wird so gekürzt oder aus seinem Zusammenhang gelöst, dass es eine Bedeutung erhält, die der Urheber nicht gemeint hat.
  • Zufall als Zeichen deutenZufällige Ereignisse, Zahlenspiele oder zeitliche Zusammenfälle werden als gezielte Hinweise auf einen geheimen Plan gedeutet.

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