Lexikon
Argumentationslexikon
Fehlschlüsse, unfaire Diskussionstechniken und was gute Argumentation ausmacht – 273 Begriffe, die Grundlage der KI-Prüfung auf politforum.net.
A
- Argument durch WiederholungEine Behauptung wird so oft wiederholt, bis sie vertraut und dadurch glaubwürdig wirkt oder das Gegenüber erschöpft aufgibt.
- AstroturfingOrganisierte, oft bezahlte Kampagnen täuschen spontane Bürgermeinung vor, etwa durch Bots, gekaufte Kommentare oder Tarnorganisationen.
- Aufgeblähte MinderheitEinzelne abweichende Fachleute werden so stark hervorgehoben, dass der Eindruck entsteht, eine breit gestützte wissenschaftliche Erkenntnis sei ernsthaft umstritten.
B
- Beide-Seiten-AusweichenKonkrete Kritik wird mit dem Hinweis abgewehrt, alle Seiten seien gleich schlimm, sodass der einzelne Fall nicht mehr bewertet werden muss.
- Beschönigendes FramingWertende oder beschönigende Begriffe lenken die Wahrnehmung eines Sachverhalts in eine gewünschte Richtung, bevor überhaupt argumentiert wird.
- Besorgnis-TrollingMan gibt vor, ein Anliegen eigentlich zu teilen und nur besorgt zu sein, um es in Wahrheit zu schwächen oder Zweifel zu säen.
E
- ErbsenzählereiEin nebensächlicher Fehler oder eine ungenaue Formulierung wird aufgegriffen, um das gesamte Argument abzuwerten, ohne auf dessen Kern einzugehen.
F
- Falsche AusgewogenheitEine gut belegte Position und eine kaum gestützte Außenseitermeinung werden als gleichwertige Seiten einer offenen Debatte präsentiert.
- Falsche BescheidenheitMan stellt sich betont unwissend oder bescheiden dar, um anschließend eine starke Behauptung ohne Begründungspflicht unterzubringen oder Kritik zu entgehen.
G
- GaslightingBelegbare Tatsachen oder eigene frühere Aussagen werden dreist geleugnet, damit das Gegenüber an seiner Wahrnehmung oder seinem Gedächtnis zweifelt.
- GedankenlesenMan behauptet zu wissen, was das Gegenüber „eigentlich“ denkt oder vorhat, und argumentiert gegen diese unterstellte statt gegen die geäußerte Meinung.
- Gefälschte BelegeErfundene Zitate, manipulierte Bilder, KI-generierte Videos oder echte Aufnahmen aus falschem Zusammenhang werden als Beweis für eine Behauptung präsentiert.
- Gezielt gestreuter ZweifelDurch systematisches Betonen von Unsicherheiten soll der Eindruck entstehen, eine Frage sei ungeklärt, um Regulierung oder Handeln hinauszuzögern.
- Gish-GaloppEine Flut vieler, oft schwacher oder falscher Behauptungen in kurzer Zeit, sodass das Gegenüber unmöglich alle widerlegen kann.
H
- HundepfeifeCodewörter oder Anspielungen, die für die Allgemeinheit harmlos klingen, einer bestimmten Zielgruppe aber eine verdeckte, oft abwertende Botschaft senden.
I
- Ich frag ja nurEine Behauptung wird als scheinbar harmlose Frage verpackt, um sie zu verbreiten, ohne Verantwortung oder Beweislast für sie zu übernehmen.
- Immun gegen BelegeJeder Gegenbeweis wird als Teil der Täuschung umgedeutet, sodass die Überzeugung durch keinerlei Belege mehr erschüttert werden kann.
- Instrumentalisierte KränkungMan erklärt sich beleidigt oder verletzt, um Kritik abzuwehren und die Diskussion auf das eigene Gefühl statt auf die Sache zu lenken.
- Irgendwas stimmt da nichtSelbst wenn einzelne Verdachtsmomente widerlegt sind, bleibt die Überzeugung bestehen, dass grundsätzlich etwas faul sein muss, und neue Verdachtsgründe werden gesucht.
K
- Kafka-FalleJeder Widerspruch gegen einen Vorwurf wird selbst als Beweis für dessen Richtigkeit gewertet, sodass Entlastung unmöglich wird.
- Kunstgriff 10: Das Gegenteil erfragenWer merkt, dass das Gegenüber absichtlich verneint, fragt nach dem Gegenteil des Gewünschten, um so die gewünschte Antwort zu erhalten.
- Kunstgriff 11: Das Allgemeine als zugestanden einführenNach Zustimmung zu einzelnen Fällen wird die allgemeine Regel nicht erfragt, sondern einfach als bereits zugestanden behauptet.
- Kunstgriff 12: Das günstige Gleichnis wählenDurch gezielte Wortwahl wird die eigene Sicht schon im Begriff vorweggenommen, sodass die Bezeichnung selbst die Bewertung transportiert.
- Kunstgriff 13: Das grelle Gegenteil anbietenNeben die eigene These wird ein absurdes Gegenteil gestellt, sodass das Gegenüber zur eigenen Position greift, um nicht paradox zu wirken.
- Kunstgriff 14: Triumph ausrufenObwohl das Gegenüber nichts Entscheidendes zugestanden hat, wird der gewünschte Schluss als bewiesen verkündet und Triumph ausgerufen.
- Kunstgriff 15: Der verfängliche ScheinsatzMan legt einen plausiblen, aber nicht ganz zutreffenden Satz zur Annahme vor: Lehnt das Gegenüber ab, wird es lächerlich gemacht, stimmt es zu, gilt das als Erfolg.
- Kunstgriff 16: Argumenta ad hominem oder ex concessisStatt die These zu prüfen, wird nach Widersprüchen zu früheren Aussagen, zur Partei oder zum Verhalten des Gegenübers gesucht.
- Kunstgriff 17: Die feine UnterscheidungWer durch einen Gegenbeweis bedrängt wird, rettet sich mit einer spitzfindigen, vorher nicht gemachten Unterscheidung.
- Kunstgriff 18: Den Gang unterbrechenMerkt man, dass das Gegenüber auf ein überzeugendes Argument zusteuert, unterbricht oder lenkt man ab, bevor es zu Ende geführt wird.
- Kunstgriff 19: Ins Allgemeine ausweichenWird man zu einem konkreten Punkt um Gegenargumente gebeten und hat keine, weicht man ins Allgemeine aus und kritisiert dieses.
- Kunstgriff 1: Die ErweiterungDie Aussage des Gegenübers wird über ihre Grenzen hinaus verallgemeinert und zugespitzt, damit sie leichter widerlegt werden kann.
- Kunstgriff 20: Den Schluss selbst ziehenAus zugestandenen Voraussetzungen wird der gewünschte Schluss gezogen, ohne das Gegenüber zu fragen, und fehlende Prämissen werden stillschweigend ergänzt.
- Kunstgriff 21: Scheinargument mit Scheinargument beantwortenEin durchschautes Scheinargument wird nicht offengelegt, sondern mit einem ebenso unsachlichen Gegenargument erwidert.
- Kunstgriff 22: Zirkelschluss vorwerfenEin berechtigtes Zugeständnis wird verweigert, indem man es fälschlich als Zirkelschluss bezeichnet, weil sich daraus die Gegenthese ergäbe.
- Kunstgriff 23: Zur Übertreibung reizenDurch ständigen Widerspruch wird das Gegenüber gereizt, seine Aussage zu übertreiben, worauf man die Übertreibung widerlegt und so die ursprüngliche These erledigt.
- Kunstgriff 24: Die KonsequenzmachereiAus der Aussage des Gegenübers werden durch Verdrehung absurde oder gefährliche Folgerungen abgeleitet, die es nie gemeint hat.
- Kunstgriff 25: Die Instanz (das Gegenbeispiel)Ein einzelnes, oft zweifelhaftes Gegenbeispiel wird angeführt, um eine allgemeine Aussage für vollständig widerlegt zu erklären.
- Kunstgriff 26: Die Umkehrung des ArgumentsDas Argument des Gegenübers wird umgedreht und gegen es selbst gewendet, oft durch geschickte Umdeutung statt durch echte Prüfung.
- Kunstgriff 27: Auf dem wunden Punkt beharrenReagiert das Gegenüber bei einem Argument unerwartet gereizt, wird gerade dieses Argument immer weiter forciert, unabhängig von seinem Gehalt.
- Kunstgriff 28: Argumentum ad auditoresMan bringt einen ungültigen, aber für das Publikum einleuchtenden oder witzigen Einwand vor, dessen Fehler nur Fachkundige erkennen.
- Kunstgriff 29: Die DiversionWer merkt, dass er verliert, wechselt plötzlich zu einem anderen Thema und tut so, als gehöre es zur Sache.
- Kunstgriff 2: Die HomonymieEin Wort wird stillschweigend in einer anderen Bedeutung verwendet als vom Gegenüber gemeint, um dessen Aussage scheinbar zu widerlegen.
- Kunstgriff 30: Argumentum ad verecundiamStatt Gründe zu liefern, beruft man sich auf Autoritäten oder angebliche Mehrheitsmeinungen, oft verfälscht oder fachfremd.
- Kunstgriff 31: Ironische InkompetenzerklärungMan erklärt ironisch, das Argument des Gegenübers nicht zu verstehen, um es als unverständlich oder unsinnig hinzustellen.
- Kunstgriff 32: Unter eine verhasste Kategorie bringenDie Aussage des Gegenübers wird einer verhassten Kategorie oder Gruppe zugeordnet und dadurch abgewertet, ohne sie inhaltlich zu prüfen.
- Kunstgriff 33: In der Theorie richtig, in der Praxis falschMan räumt die Gründe pauschal ein, bestreitet aber ohne Begründung die praktische Anwendbarkeit der Schlussfolgerung.
- Kunstgriff 34: Beim Ausweichen nachsetzenWeicht das Gegenüber einer Frage aus, wird gerade diese Stelle unablässig bedrängt, weil man dort eine Schwäche vermutet.
- Kunstgriff 35: Auf den Willen statt auf den Verstand wirkenStatt mit Gründen zu überzeugen, zeigt man dem Gegenüber oder dem Publikum, dass dessen Interessen durch die gegnerische Ansicht leiden würden.
- Kunstgriff 36: Durch Wortschwall verblüffenDas Gegenüber wird mit sinnlosem, gelehrt klingendem Wortschwall verblüfft, damit es aus Scheu vor eigener Unwissenheit nicht widerspricht.
- Kunstgriff 37: Den schlechten Beweis widerlegenHat das Gegenüber eine richtige These schlecht begründet, wird der schwache Beweis widerlegt und dies als Widerlegung der These selbst ausgegeben.
- Kunstgriff 38: Persönlich werdenWer sachlich unterlegen ist, wird persönlich, beleidigend und grob und greift die Person statt ihrer Argumente an.
- Kunstgriff 3: Relatives absolut nehmenEine bedingt oder in bestimmter Hinsicht gemeinte Aussage wird so behandelt, als sei sie uneingeschränkt und allgemein gemeint.
- Kunstgriff 4: Die Prämissen verdeckt einholenMan lässt sich einzelne Voraussetzungen scheinbar beiläufig zugestehen, ohne das Ziel zu verraten, und präsentiert erst am Ende die gewünschte Schlussfolgerung.
- Kunstgriff 5: Beweis aus falschen VordersätzenMan stützt die eigene These bewusst auf Annahmen, die man selbst für falsch hält, die das Gegenüber aber akzeptiert.
- Kunstgriff 6: Die versteckte petitio principiiDas zu Beweisende wird in anderer Formulierung oder als Teil einer allgemeineren Aussage bereits als Voraussetzung eingeschmuggelt.
- Kunstgriff 7: Viel auf einmal fragenMan stellt viele Fragen auf einmal und weitläufig, damit das Gegenüber den Überblick verliert und Wesentliches unbemerkt zugesteht.
- Kunstgriff 8: Den Gegner zum Zorn reizenDas Gegenüber wird absichtlich provoziert und gereizt, damit es im Ärger unüberlegt argumentiert und Fehler macht.
- Kunstgriff 9: Fragen in veränderter OrdnungFragen werden in einer anderen Reihenfolge gestellt, als der Schluss sie erfordert, damit das Gegenüber das Ziel nicht erkennt.
L
- Lügen-FeuerwehrschlauchMassenhafte, schnelle und widersprüchliche Falschbehauptungen über viele Kanäle, die nicht überzeugen, sondern Orientierung und Vertrauen zerstören sollen.
M
- MauernBerechtigte Fragen werden konsequent ignoriert, mit Leerformeln beantwortet oder abgeblockt, um sich jeder inhaltlichen Festlegung zu entziehen.
- MeutenangriffViele Personen stürzen sich gleichzeitig auf eine einzelne Person oder Aussage, sodass diese überwältigt wird und nicht mehr sinnvoll antworten kann.
- Motte-und-Vorhof-TaktikEine gewagte Behauptung wird vertreten, bei Kritik aber durch eine harmlose, kaum bestreitbare Version ersetzt – danach kehrt man zur gewagten zurück.
O
- Overton-Fenster verschiebenDurch bewusst extreme Forderungen soll der Rahmen des Sagbaren verschoben werden, damit früher radikale Positionen später als gemäßigt erscheinen.
P
- ProjektionMan wirft dem Gegenüber genau das Verhalten vor, das man selbst an den Tag legt, oft um dem erwarteten Vorwurf zuvorzukommen.
- ProvozierenGezielte Provokationen sollen das Gegenüber zu einer heftigen Reaktion verleiten, die dann vorgeführt wird, statt die Sachfrage zu klären.
R
- Recherchier selbstStatt Belege für eine Behauptung zu liefern, wird das Gegenüber aufgefordert, selbst zu recherchieren, wobei die Beweislast unbemerkt verschoben wird.
- Rückzug auf IronieEine Aussage gilt je nach Reaktion als ernst gemeint oder als Witz: Bei Zustimmung war sie ernst, bei Kritik „nur Spaß“.
S
- SalamitaktikEin umstrittenes Ziel wird in viele kleine, einzeln harmlos wirkende Schritte zerlegt, sodass der Gesamtzusammenhang verborgen bleibt.
- ScheinentschuldigungEine Entschuldigung, die das eigene Fehlverhalten nicht anerkennt, sondern die Verantwortung auf die Gefühle oder Missverständnisse der anderen verschiebt.
- ScheinexpertenPersonen ohne einschlägige Fachkompetenz werden als Experten präsentiert, um den Eindruck zu erwecken, die Wissenschaft sei gespalten oder widerspreche dem Stand der Forschung.
- SealioningHartnäckiges, scheinbar höfliches Einfordern von Belegen und Erklärungen, um das Gegenüber zu ermüden statt ernsthaft zu diskutieren.
- SockenpuppenEine Person nutzt mehrere Accounts, um sich selbst zuzustimmen, Mehrheiten vorzutäuschen oder Sperren zu umgehen.
- SpinnerauswahlDie extremsten oder absurdesten Vertreter einer Gruppe werden herausgegriffen und als typisch dargestellt, um die ganze Gruppe zu diskreditieren.
T
- ThemenentgleisungEine Diskussion wird gezielt auf ein anderes, oft eigenes Lieblingsthema umgelenkt, sodass das ursprüngliche Thema nicht mehr besprochen wird.
- Tonfall-PolizeiStatt auf den Inhalt einzugehen, wird nur der Ton oder die Emotionalität einer Aussage kritisiert, um sie damit abzuwerten.
- Torpfosten verschiebenNachdem ein geforderter Beleg erbracht wurde, werden die Anforderungen nachträglich verschärft oder verändert, sodass die Gegenposition nie gewinnen kann.
- TotschlagargumentEine griffige Floskel, die eine Diskussion beendet, statt ein Argument zu liefern, etwa „Das war schon immer so“ oder „Das ist halt Politik“.
U
- Übersteigertes MisstrauenAlle Informationen aus etablierten Quellen werden grundsätzlich abgelehnt, während Behauptungen, die zur eigenen Sicht passen, ungeprüft übernommen werden.
- Unerfüllbare ErwartungenEs wird ein unrealistisch hoher Grad an Gewissheit oder Beweis verlangt, sodass jede wissenschaftliche Erkenntnis als unbewiesen abgetan werden kann.
- Unterstellte böse AbsichtHinter jeder Erkenntnis oder Maßnahme wird automatisch eine finstere Absicht der Beteiligten vermutet, ohne dafür Belege zu brauchen.
V
- Verfälschter KonsensMan behauptet ohne Beleg, die Mehrheit, „alle Experten“ oder „das Volk“ stünden hinter der eigenen Position, oder leugnet einen tatsächlich bestehenden Konsens.
- Verfolgtes OpferMan stellt sich als mutigen, unterdrückten Wahrheitsverkünder dar, sodass Widerspruch und Kritik als Beleg für die Richtigkeit der eigenen Position erscheinen.
- VerschwörungsdenkenEreignisse oder wissenschaftliche Befunde werden durch eine geheime, böswillige Absprache mächtiger Gruppen erklärt, statt durch die verfügbaren Belege.
- Verzerrte Wiedergabe von ForschungStudienergebnisse werden übertrieben, falsch verallgemeinert oder ins Gegenteil verkehrt, etwa durch Verwechseln von Korrelation und Ursache oder Ignorieren von Einschränkungen.
W
- Widersprüchliche AnnahmenMan vertritt gleichzeitig mehrere einander ausschließende Erklärungen, weil sie alle der offiziellen Darstellung widersprechen.
Z
- Zitat aus dem ZusammenhangEin Zitat wird so gekürzt oder aus seinem Zusammenhang gelöst, dass es eine Bedeutung erhält, die der Urheber nicht gemeint hat.
- Zufall als Zeichen deutenZufällige Ereignisse, Zahlenspiele oder zeitliche Zusammenfälle werden als gezielte Hinweise auf einen geheimen Plan gedeutet.