Donnerstag 22. Oktober 2026
Donnerstag, 22. Oktober 202622.10.2026 ·
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Gute Argumentation

Quellen prüfen (Quellenkritik)

Englisch: Source criticism · auch: Quellenkritik, Quellenprüfung, Checking sources, Laterales Lesen, Lateral reading, SIFT, Faktencheck, Faktentreue

Bevor man sich auf eine Information stützt oder sie teilt, prüft man, wer dahintersteht, was unabhängige Quellen dazu sagen, ob Bild oder Zitat im ursprünglichen Zusammenhang stehen und wie aktuell sie ist.

Quellenkritik stellt vor dem Verwenden oder Teilen einer Information vier Fragen: Wer steht dahinter – Behörde, Forschungseinrichtung, Interessenvertretung, anonyme Seite – und mit welcher Fachkunde? Was sagen unabhängige Quellen über diese Quelle und die Behauptung? Statt nur auf der Seite selbst zu lesen, sieht man nach, was andere über sie schreiben („laterales Lesen“). Stammen Bild, Video oder Zitat aus dem behaupteten Zusammenhang? Und ist die Information aktuell?

Ein Argument ist nur so stark wie sein Beleg. Die Zahl einer Interessenvertretung kann stimmen, aber nur wer ihre Herkunft kennt, kann sie richtig gewichten; ein echtes Foto aus einem anderen Land beweist nichts über heimische Spitäler; eine Statistik von 2015 sagt wenig über heute. Wer vor dem Teilen prüft, verbreitet keine Falschmeldungen weiter.

Im Forum ist Quellenkritik der Kern guter Faktentreue: Tatsachenbehauptungen sind belegt, die Belege halten einer Prüfung stand, Unsicherheiten sind benannt, Fehler werden korrigiert. Sie ist kein Generalverdacht – „Mainstream“ oder „Lobby“ allein ist kein Gegenargument –, und sie gilt für Quellen, die einem gefallen, genauso wie für die anderen.

Aufbau

1. Innehalten: Vor dem Teilen fragen, woher die Information stammt.2. Die Quelle prüfen: Wer steht dahinter, mit welchem Interesse und welcher Fachkunde?3. Quer lesen: Was sagen unabhängige Quellen über Quelle und Behauptung?4. Zum Ursprung zurückverfolgen: Originalbild, Originalzitat, Originalstudie, Datum.5. Erst dann verwenden – mit einem Hinweis, wie belastbar die Quelle ist.

Woran man es erkennt

  • „Wer steht eigentlich hinter dieser Seite?“ oder „Laut Impressum ist das ein Verein der Branche“
  • Rückwärtssuche bei Bildern: „Das Foto wurde schon vor Jahren in einem ganz anderen Zusammenhang veröffentlicht“
  • Angaben zur Belastbarkeit: „Zahl einer Interessenvertretung, deckt sich aber mit der amtlichen Statistik“
  • Das Datum der Quelle wird genannt und geprüft („Stand 2016, neuere Zahlen zeigen …“)
  • Dieselben Prüffragen für Quellen beider Seiten

Beispiele

Forum-Thread über Wartezeiten in Spitälern
Ein Mitglied postet das Foto eines überfüllten Spitalsgangs: „So sieht es jetzt bei uns aus.“ Eine Antwort: „Laut Rückwärtssuche stammt das Bild von 2020 aus einem Spital im Ausland. Zu den Wartezeiten hier gibt es Zahlen des Landes – die sind schlecht genug, nehmen wir die.“

Die Antwort prüft Herkunft und Datum des Bildes, ohne das Anliegen abzutun, und ersetzt den falschen Beleg durch einen passenden.

Zum Vergleich, schwächer: „Das ist sicher wieder Fake.“ – ohne Prüfung und ohne Blick auf die echten Wartezeiten.

Landtagsdebatte über Windkraft und Tourismus
Ein Abgeordneter der Regierungsfraktion zitiert eine Studie, nach der Windräder die Nächtigungen um 30 % senken. Eine Abgeordnete der Opposition: „Ich habe nachgesehen: Die Studie stammt von einem Verein, der gegen Windkraft mobil macht, und beruht auf einer Online-Umfrage unter seinen Mitgliedern. Gibt es unabhängige Daten, etwa Nächtigungszahlen aus Gemeinden mit Windparks?“

Sie prüft Urheber und Methode der Studie und verlangt einen unabhängigen Beleg, statt die Behauptung pauschal abzutun.

Zum Vergleich, schwächer: „Diese Studie ist doch bestellt, das weiß jeder.“

Kommentarspalte zu einem Artikel über Lebensmittelpreise
Ein Sharepic schreibt einem Landesrat den Satz zu: „Wer sich Butter nicht leisten kann, soll halt Margarine essen.“ Ein Mitglied: „Ich finde das Zitat in keiner Quelle mit Datum oder Anlass, und ein Faktencheck stuft es als erfunden ein. Reden wir über die Preise, nicht über ein falsches Zitat.“

Das Mitglied sucht nach Ursprung, Datum und Anlass des Zitats, zieht einen unabhängigen Faktencheck heran und lenkt danach zur Sachfrage zurück.

Zum Vergleich, schwächer: Das Sharepic wird mit „Unglaublich!“ weitergeteilt.

Grenzen

Quellenkritik kippt, wenn sie nur gegen unliebsame Quellen gerichtet wird (selektive Skepsis) oder wenn die Herkunft allein das Urteil ersetzt: Auch die Zahl einer Interessenvertretung – ob von Beschäftigten oder von Unternehmen – kann stimmen; sie muss an der Sache geprüft werden, sonst wird daraus ein genetischer Fehlschluss. Übertrieben ist es, für jede Allerweltsbehauptung einen Beleg zu verlangen – der Prüfaufwand richtet sich danach, wie überraschend und folgenreich eine Behauptung ist.

Wenn es fehlt

Frag nach dem Ursprung, nicht nach der Gesinnung: „Weißt du, woher das Bild ursprünglich stammt?“ oder „Gibt es dazu eine zweite, unabhängige Quelle?“ Hast du selbst etwas gefunden, teile das Ergebnis mit Link und ohne Spott – wer einer Falschmeldung aufgesessen ist, korrigiert sich leichter, wenn niemand vorgeführt wird.

So gelingt es

Frag vor dem Teilen: Wer steht dahinter, was sagen andere über diese Quelle, woher stammt das Bild oder Zitat ursprünglich, von wann ist es? Für Bilder hilft die Rückwärtssuche, für Zitate die Suche nach Datum und Anlass, für Zahlen die amtliche Statistik. Leg an Quellen, die deine Sicht stützen, dieselben Maßstäbe an wie an die anderen.

Herkunft

Quellenkritik ist seit dem 19. Jahrhundert die Grundmethode der Geschichtswissenschaft: äußere Kritik (Echtheit, Herkunft, Datierung) und innere Kritik (Glaubwürdigkeit des Inhalts). Für das Netz beschrieb die Forschungsgruppe um Sam Wineburg in Stanford das „laterale Lesen“ professioneller Faktenchecker:innen; Mike Caulfield fasste die Schritte im Merkwort SIFT zusammen: Stop, Investigate the source, Find better coverage, Trace claims to the original context.